Melodie & Rhythmus

MAGAZIN: Geld kann man nicht essen

29.12.2011 10:23

Aber man kann Songs darüber schreiben
Text: Thomas Winkler, Foto: flickr.com/uxud

Geld kann man nicht essenDie drei wichtigsten Themen, die in Popsongs verhandelt werden, sind natürlich: die Liebe, die Liebe und noch mal die Liebe. Dann erst kommt: der Sex. Danach aber folgt gleich: das Geld. Und die Gier. Am unverblümtesten im Soulklassiker »Money (That‘s What I Want)«. Janie Bradford schrieb den Song 1959 zusammen mit Berry Gordy. Man durfte den Text als programmatisch verstehen. In der Aufnahme eines gewissen Barrett Strong wurde das Lied zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, geriet zum ersten großen Hit für das eben erst von Gordy in Detroit gegründete Label und stand am Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte namens Tamla-Motown.

Später coverten die Beatles und die Rolling Stones, die Doors, Led Zeppelin und so ziemlich jeder, der halbwegs geradeaus singen konnte, den kaum mit Geld aufzuwiegenden Ohrwurm aus der Detroiter Soulfabrik, der sich bis heute großer Beliebtheit erfreut: Auch ein Bruno Mars kommt auf der Bühne nicht umhin, um größeren Reichtum zu flehen.

Offensichtlich ist nicht nur dieser eine Song zeitlos, sondern auch sein Thema im weiteren Sinne. Allein mit Songs, die den denkbar schlichten Titel »Money« tragen, könnte man eine schicke Compilation zusammenstellen: In den Sechzigern wurde »Money« aus dem Musical »Cabaret« zum Gassenhauer, und auch Lovin‘ Spoonful widmete sich der Problematik. In den Siebzigern besangen sowohl Pink Floyd das »Money« als auch Yes und Badfinger. Nicht zu vergessen natürlich »Money, Money, Money« von ABBA, die bekanntlich immer übertreiben mussten. Die Achtziger sind seltsam arm, wenn es ums Geld geht, aber immerhin das blässliche Popduo Bros hatte einen gleichnamigen Song im Repertoire. Besser wurde es wieder in den Neunzigern: Michael Jackson, der allerhand Geld verdient und ausgegeben hat, widmete sich der Thematik 1995 auf »HIStory« mit dem Song »Money«, und die britische R&B-Sirene Jamelia begrüßte das neue Jahrtausend mit ihrem höchstpersönlichen »Money«.

Acht Jahre später schrieb auch der Rapper The Game eine Litanei, die er »Money« taufte. Wie der Hip-Hop überhaupt das Thema wohl so intensiv bearbeitet haben dürfte wie kein anderes Popgenre sonst. Der Klassiker in diesem Bereich sicherlich: »Mo Money, Mo Problems« von The Notorious B.I.G., der allerdings nicht ausdrücklich deshalb erschossen wurde, weil er zu viel Geld besessen hätte.

Auch mancher deutsche Musiker hatte schon mal Geldprobleme und sang darüber. »Hey Boss, ich brauch mehr Geld«, klagte Gunter Gabriel, Peter Licht sang das »Lied vom Ende des Kapitalismus« und Kettcar wunderten sich über »Money Left To Burn«. Element of Crime widmeten sich »Euro und Markstück «, während Sido und Harris mit »Fuffies im Club« um sich warfen. Geld regiert die Welt. Das ist nicht schön. Aber dafür, als Ausgleich sozusagen, hat es als Motivation und Inspiration für einige der schönsten Popsongs aller Zeiten gedient: Von den Beatles und ihrem »Money Can‘t Buy Me Love« über »Money For Nothing« von den Dire Straits bis zu Aloe Blaccs großartigem »I Need A Dollar«. Man darf also gespannt sein, zu welch kreativen Höhenflügen das Thema künftige Generationen von Musikanten noch anspornen wird. Es gibt viel zu besingen, nun erst recht, da mit Popmusik kaum noch mehr Geld zu verdienen ist.

Der Beitrag erscheint in der melodie&rhythmus 1/2012, erhältlich ab dem 3. Januar 2012 am Kiosk oder im Abonnement.

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