<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Melodie &#38; Rhythmus &#187; M&amp;R Aktuell</title>
	<atom:link href="https://www.melodieundrhythmus.com/category/mr-aktuell/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.melodieundrhythmus.com</link>
	<description>Magazin für Gegenkultur</description>
	<lastBuildDate>Wed, 17 Jun 2026 07:56:31 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=4.2.39</generator>
	<item>
		<title>Deutsche Abgründe</title>
		<link>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/deutsche-abgruende/</link>
		<comments>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/deutsche-abgruende/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 Apr 2017 16:33:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[M&R Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Antideutsche]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.melodieundrhythmus.com/?p=15589</guid>
		<description><![CDATA[Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner <a href="https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/deutsche-abgruende/#more-'" class="more-link">Weiterlesen »</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_15590" style="width: 690px" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-15590" src="http://www.melodieundrhythmus.com/wp-content/uploads/2017/04/14_33264597.jpg" alt="Uwe Becker (CDU), Bürgermeister und Kämmerer der Stadt Frankfurt am Main, möchte keine israelkritischen Juden in seiner Stadt haben.  Nicolas Armer/dpa-Bildfunk" width="680" height="357" /><p class="wp-caption-text">Uwe Becker (CDU), Bürgermeister und Kämmerer der Stadt Frankfurt am Main, möchte keine israelkritischen Juden in seiner Stadt haben.<br /><small>Nicolas Armer/dpa-Bildfunk</small></p></div>
<p><strong>Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner Stadt. Zu den unerwünschten Personen gehört der israelische Historiker und Sohn von Holocaust-Überlebenden <em>Moshe Zuckermann</em>, der in Frankfurt aufgewachsen ist. M&amp;R bat ihn um eine Replik.</strong></p>
<p>Vom 9. bis 10. Juni 2017 sollte in Frankfurt am Main eine Konferenz mit dem Titel »50 Jahre israelische Besatzung. Unsere Verantwortung für eine friedliche Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts« stattfinden. Veranstalter ist der Deutsche Koordinationsrat Palästina Israel (KOPI). Teilnehmen sollten Referenten aus Israel, Palästina und Deutschland. Die Konferenz wird, so wie es momentan aussieht, nicht abgehalten werden können. Sie ist bereits im Vorfeld abgewürgt worden. Eine Welle von Hass-Mails aus aller Welt und eine Diffamierungskampagne, deren Urheber auch vor Gewaltandrohungen nicht zurückschrecken, haben den Vermieter des Saals, in welchem die Konferenz stattfinden sollte, dazu bewogen, seinen Vertrag mit den Organisatoren zu annullieren und der Forderung nach einem Raumverbot nachzugeben. Warum? Weil die Veranstaltung als »antisemitisch« stigmatisiert worden ist. Von wem? Nun, diese Frage ist komplexer zu beantworten.</p>
<p>Es handelt sich um eine Konstellation von »Antisemiten-Jägern«, wie sie sich selbst gern apostrophieren, die mit dem real existierenden Antisemitismus nicht sehr viel zu schaffen haben, sich dafür aber umso gründlicher aufs Jagen spezialisiert haben. Da wäre zunächst die sogenannte Israel-Lobby, bestehend aus Vertretern der jüdischen Gemeinden in Deutschland mit der Rückendeckung der israelischen Botschaft, mithin des verlängerten Arms des israelischen Außenministeriums. Da wären die Reste der Randerscheinung der sogenannten »Antideutschen«, einer ehemaligen linken deutschen Bewegung, die es heute mittlerweile in Sachen überbordender Israelliebe und -solidarität mit jedem israelischen Faschisten aufnehmen kann. Da wären zudem das Medienestablishment, das sich mit der offiziellen Israelpolitik Deutschlands politischer Klasse darin verschwistert weiß, dass es Israels Politik nie konsequent kritisieren würde und, wie in diesem Fall der haarsträubenden Denunzierung, zumeist betreten wegschaut, wenn die Lappalie einer Verteidigung der freien Meinungsäußerung ansteht. Wer will schon »Antisemiten« verteidigen? Und es geht, wie gesagt, um die politische Klasse Deutschlands, die in diesem Fall vom Frankfurter Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) vertreten ist.</p>
<p>Dass die israelische Regierung und ihre Institutionen nicht daran interessiert sind, dass eine Konferenz über die israelische Besatzung stattfindet, versteht sich von selbst. Für die gegenwärtig regierende Koalition, die rechteste in der gesamten israelischen Parlamentsgeschichte, erledigt sich die Besatzungs-Frage von selbst: Es gibt ja keine, denn »Juden dürfen sich überall in Erez Israel ansiedeln«, und wer das anders sieht, möge die Bibel neu schreiben, wie Naftali Bennett, der Erziehungsminister, vor einigen Wochen einem Al-Jazeera-Reporter klarmachte, der nicht ganz einzusehen vermochte, was die mythische Bibelgeschichte mit der realen Politik Israels im Jahre 2017 zu tun hat.</p>
<p>Dass Vertreter der jüdischen Gemeinden in Deutschland in derlei Situationen meinen, auf der Hut sein zu sollen, und jedwede Israelkritik sogleich als »antisemitisch« abkanzeln, mithin Israelkritik, Antizionismus und Antisemitismus automatisch gleichsetzen, ist ebenfalls nicht verwunderlich. Welche andere Identität haben die Mitglieder dieser Gemeinden als Juden vorzuweisen, wenn sie nicht die rein religiöse beanspruchen (es sind ja säkulare Juden zumeist)? Mit der Identität als deutsche Staatsbürger tut man sich aus historischen Gründen noch immer schwer; in Israel lebt man ja nicht – also projiziert man die »jüdische« Identität auf ein abstraktes Israel und suhlt sich in Solidarität mit dem fernen Land, weil man mit seinem eigenen realen Dasein in Deutschland offenbar nur schlecht zurande kommt. Erstaunlich, wie sie dabei ihren defizitären Stellenwert als »in Deutschland lebende Juden« in der Sphäre der deutschen Öffentlichkeit zu verwerten verstehen, vor allem aber auch, wie die deutsche Öffentlichkeit ihnen diese erbärmliche Instrumentalisierung ihres Jude-Seins zugesteht.</p>
<p>Dass sich die deutsche Politik und mit ihr die deutsche Medienwelt dem Tabu der Israelkritik (selbst auferlegt) verschrieben hat, ist auch nicht sonderlich überraschend. Das ist ja der Deal zwischen Israel und Deutschland schon seit 1952: Das Täterland befleißigt sich in »Wiedergutmachung«, und Israel gewährt die Absolution, indem es sich bezahlen lässt. Es gab gute Gründe dafür: Deutschland wollte nach der NS-Zeit zurück in die Völkergemeinschaft, und das junge Israel brauchte das Geld für seinen Aufbau im ersten Jahrzehnt seines Bestehens. Mit Erinnern und Gedenken hatte dieser Deal rein gar nichts zu tun, sondern vor allem mit der Materialisierung der Sühne und deren endlosen, bis jetzt anhaltenden Instrumentalisierung auf beiden Seiten: Noch heute meinen deutsche Politiker und Medienleute, an Juden etwas über Israel »wiedergutmachen« zu sollen. Sie solidarisieren sich mit »Juden«, indem sie sie allesamt den Kategorien »Israel« und »Zionismus« subsumieren – und somit wie ehedem abstrahieren. Zur wahren ideologisch-manipulativen Meisterschaft darin haben es besagte »Antideutsche« gebracht. In ihrem Lager ist der Tauschwert der Israelsolidarität nachgerade zum identitären Kulturkapital geronnen. Die überwältigende Mehrheit der Juden ihrerseits lassen sich die gesamte Farce der solcherweise entstellten deutsch-jüdischen Beziehungen nicht nur gefallen, sondern nähren diese unsägliche Verdinglichung des Ressentiments, wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet.</p>
<p>Relativ neu ist allerdings die Erscheinung eines Uwe Beckers. Denn deutsche Politiker haben sich zwar stets mit »Israel« und »unseren jüdischen Mitbürgern« solidarisiert, haben sich aber an der Unterbindung von Veranstaltungen nicht offensiv beteiligt – es sei denn, es ging um neonazistische Kundgebungen und Aktionen. Und selbst bei diesen haben sie für gewöhnlich vor konkreten Maßnahmen halt gemacht: Neonazis dürfen in Deutschland demonstrieren. Uwe Becker hingegen ist ein Mann der Tat. Sich auf einen Beschluss des CDU-Parteitags 2016 in Essen gegen die Kampagne Boycott Divestment and Sanctions (BDS) beziehend, erklärte er: »Wer heute unter der Fahne der BDS-Bewegung zum Boykott israelischer Waren und Dienstleistungen aufruft, der spricht in der gleichen Sprache, in der man einst die Menschen dazu aufgerufen hat, nicht bei Juden zu kaufen. Dies ist nichts anderes als plumper Antisemitismus, wie ihn schon die Nationalsozialisten instrumentalisiert haben.« Uwe Becker hat sich in der Solidarität mit Juden bereits politisches Kapital angeeignet. Rechte Graffiti im Frankfurter Ostpark verurteilte er umgehend: »Wir dürfen das nicht als Kavaliersdelikte oder Dumme-Jungen-Streiche abtun, das ist blanker Hass und Antisemitismus.« Das ist sehr honorig von ihm, gibt aber zu denken: Nazi-Graffiti und BDS-Boykottaufrufe sind für ihn beide Antisemitismus. Und nun auch die vorgesehene, zumindest vorläufig unterbundene israelkritische Konferenz in Frankfurt. Uwe Becker steht mit an vorderster Front gegen die Veranstaltung: KOPI sei für die Unterstützung der antisemitischen BDS-Bewegung bekannt, sagte er. Die Bewegung betreibe eine »zutiefst antisemitische Stimmungsmache« und benutze »die gleiche Sprache wie die Nationalsozialisten«, die »Kauft nicht bei Juden!« proklamiert haben. Nazi-Graffiti, BDS und KOPI-Konferenz also alles antisemitisch – und somit auch alles, was mit letzterer zusammenhängt, u.a. die jüdischen Teilnehmer Iris Hefets, Ilan Pappe und ich. Ganz zu schweigen von der Palästinenserin Majida Al-Masri und dem deutschen Linken Norman Paech.</p>
<p>Es sei Uwe Becker zugutegehalten, dass er Klartext redet. Eine solche Veranstaltung habe in Frankfurt nichts verloren, sagte er. »Wer in Frankfurt Stimmung gegen Israel machen will, wer für den Boykott israelischer Waren wirbt und Sanktionen gegenüber diesem Land fordert, ist in unserer Stadt nicht willkommen.« Aber klar gesprochen heißt mitnichten klar gedacht, wie sich herausstellt. Dazu eine kleine Randbemerkung in eigener Sache: Ich habe in Frankfurt der 1960er-Jahre als Sohn von Holocaust-Überlebenden gelebt, bevor Uwe Becker auf die Welt gekommen ist. Das Recht, mich in dieser Stadt willkommen zu fühlen oder nicht, habe ich mir lebensgeschichtlich erworben, und ich brauche den Segen eines Uwe Beckers dazu nicht. Ich weiß nicht, was die Familie von Uwe Becker im Krieg gemacht hat, hingegen weiß ich sehr wohl, was meine Familie erlitten hat. Ich meine, Uwe Becker sollte sich sehr vorsehen, ehe er sich anmaßt, mir oder irgendeinem anderen Juden suggerieren zu wollen, Antisemit zu sein bzw. sich mit Antisemiten verbandelt zu haben.</p>
<p>Dass Uwe Becker offenbar nicht zwischen Judentum, Zionismus und Israel und somit zwischen Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik zu unterscheiden vermag, sei ihm nachgesehen. Ihm ergeht es wie den allermeisten Deutschen in dieser Sache. Dass er Boykott-Aufrufe gegen Israel gleich als Antisemitismus ansieht, sei ihm auch geschenkt. Dass er aber den Boykott-Aufruf gegen israelische Waren mit dem Aufruf der Nazis, nicht bei Juden zu kaufen, gleichsetzt, indiziert, dass er nicht begriffen hat, worum es hier geht. Denn fragen sollte sich Uwe Becker, warum zum Boykott gegen Israel aufgerufen wird (und ich sage das, ungeachtet der Frage, ob der Boykott zu unterstützen sei oder nicht). Gibt es an Israel etwas, dass zumindest den Gedanken an Boykott aufkommen lassen könnte? Die von den Nazis verfolgten Juden hatten nichts verbrochen, was die faschistische Schikane, die sich sehr bald zu Monströsem entfalten sollte, plausibel gemacht hätte.</p>
<p>Und Israel? Nun, es scheint Uwe Becker entgangen zu sein, dass Israel seit bald 50 Jahren ein brutales Okkupationsregime betreibt und in den von ihm besetzten Gebieten das palästinensische Volk knechtet. Das ist kein Abstraktum, sondern eine tagtäglich und allnächtlich perpetuierte Realität – eine Menschenrechte zutiefst verachtende und völkerrechtswidrige Praxis. Nicht nur sind dabei die Palästinenser lebensweltlich permanenter Gewalt ausgesetzt, sondern sie werden zugleich systematisch und mit Vorbedacht ihrer nationalen Selbstbestimmung beraubt. Uwe Becker muss sich also fragen lassen, ob er überhaupt begriffen hat, mit was für einem Israel er sich solidarisiert? Weiß er überhaupt, was in dem Land vorgeht, das er vor jüdischen »Antisemiten« in Schutz nehmen zu sollen meint? Um dieses Israel und seine Rolle in dem Konflikt mit den Palästinensern sollte es in der u.a. von ihm vereitelten Konferenz gehen. Was hat ihn dazu berechtigt, sich dem Verdikt der Vertreter der jüdischen Gemeinde Frankfurts anzuschließen, außer seine ideologische Verblendung? Wieso erdreistet er sich, den Konferenz-Teilnehmern Antisemitismus zu unterstellen, sie mit Nazis zu assoziieren?</p>
<p>Vielerlei Vermutungen ließen sich bei der Beantwortung dieser Fragen anstellen. Es scheint aber an der Zeit zu sein, zumindest die Grundkoordinaten dieser üblen Debatte zurechtzurücken. An Uwe Becker: Deutsche haben an Juden Monströses verbrochen – wenn man also schon mit Kollektivkategorien operiert (Solidarität mit »Juden« und »Israel«), sollte man sehr, sehr vorsichtig sein, ehe man als Deutscher einen Juden des Antisemitismus bezichtigt. Allzu leicht ließe sich da eine Projektion herauslesen, bei der sich dunkle Abgründe öffnen. An die jüdischen Gemeinden in Deutschland: Es waren deutsche Faschisten, die an Juden das Monströse verbrochen haben. Juden dürfen sich, wenn sie ein Minimum an Gedenken dessen, was es zu gedenken gilt, wahren wollen, nicht mit Faschisten solidarisieren, auch nicht mit jüdischen Faschisten – und Israel faschisiert zunehmend, nicht zuletzt infolge der von ihm seit 50 Jahren betriebenen Besatzungsbarbarei. In diese historische Sackgasse hat sich das Land, das sich als »das Land der Juden« versteht, hineinmanövriert und verrät dabei das Andenken der Opfer. An die deutschen Medien und Deutschlands Politiker: Es ist nachvollziehbar, wenn auch bedauerlich, dass man sich der Kritik an Israel enthalten zu sollen meint; Hitlers Vermächtnis wirkt eben noch mächtiger nach, als man es vermutet. Denn man sollte sich zumindest klarmachen, dass das Beschweigen dessen, was Israel mit der Besatzung verbricht, nicht nur einen Verrat an den Palästinensern bedeutet, sondern auch an dem, was Israel hätte sein können, wenn es nicht den vor einem halben Jahrhundert gewählten historischen Weg eingeschlagen hätte. Es ist noch nicht zu spät, ihn zu korrigieren. Was es Israels politischer Klasse und seiner Bevölkerung zu sagen gäbe, hätte auf der Konferenz erörtert und debattiert werden können. Die ist nun aber vereitelt worden.</p>
<p><em>Moshe Zuckermann</em></p>
<blockquote><p><strong>Pressemitteilung</strong></p>
<p><strong><big>Amtsgericht gibt Weg für Tagung zu Palästina/Israel frei</big></strong></p>
<p>Das Frankfurter Amtsgericht hat auf dem Weg der einstweiligen Verfügung eine friedenspolitische Tagung im Ökohaus „Ka-eins&#8220; zum Thema „50 Jahre israelische Besatzung in Palästina&#8220; ermöglicht, der auf Druck des Frankfurter Bürgermeister Becker der Raum entzogen bzw. der Mietvertrag gekündigt werden sollte. Für die Veranstalter, die ärztliche Friedensorganisation IPPNW und den „Deutschen Koordinationskreis Palästina Israel&#8220; (www.kopi-online.de) kommentierte Matthias Jochheim: „Wir freuen uns, dass das Gericht den Weg geöffnet hat für die freie Debatte einer friedenspolitisch und menschenrechtlich so wichtigen Frage.&#8220; Am 9. und 10.6., exakt 50 Jahre nach dem „Sechstagekrieg&#8220; 1967, der zur Besetzung von Gaza, Westbank, Ostjerusalem und der Golanhöhen führte, werden palästinensische, israelische und deutsche Wissenschaftler über die aktuelle Situation und die Perspektiven dieses weltpolitischen Brennpunkts diskutieren.</p>
<p><strong>Der Deutschen Koordinationskreis Palästina Israel &#8211; für ein Ende der Besatzung und einen gerechten Frieden (KoPI)</strong></p>
<p>Frankfurt am Main, 5. Mai 2017</p></blockquote>
<blockquote><p><strong>Esther Bejarano, Musikerin und ehemaliges Mitglied im Mädchenorchester von Auschwitz, und der Schauspieler Rolf Becker erklären sich mit Moshe Zuckermann und den anderen Referenten der Israel-Palästina-Konferenz in Frankfurt solidarisch.</strong></p>
<p><em>Sie nennen mich<br />
Verräter an meinem Volk<br />
Sie nennen mich<br />
Jüdischer Antisemit<br />
weil ich spreche von dem<br />
was sie tun in Israels Namen<br />
gegen Palästinenser<br />
gegen Araber anderer Länder<br />
und auch gegen Juden<br />
die totgeschwiegen werden </em></p>
<p>Lieber Moshe, </p>
<p><em>„Zur Zeit der Verleumder“</em> überschrieb Erich Fried vor einem halben Jahrhundert sein Gedicht – nicht ahnend, dass zu den Verleumdern heute die wissenden Ditfurths und ein offenbar unwissender Bürgermeister gehören könnten, die nicht in der Lage zu sein scheinen, zwischen der Kritik an der israelischen Regierung und der Verteidigung von menschlichen Rechten auf Leben zu unterscheiden, sich darüber hinaus anmaßen, als Deutsche darüber zu entscheiden, wer als Jude zu akzeptieren ist. Und das in der Stadt mit der Paulskirche, der <em>„Wiege der deutschen Demokratie“</em> (John F. Kennedy). Dich zitierend: <em>„Wer meint, den Antisemitismus bekämpfen zu sollen, vermeide es vor allem, Israel, Judentum und Zionismus, mithin Antisemitismus, Antizionismus und Israel-Kritik wahllos in seinen deutschen Eintopf zu werfen, um es, je nach Lage, opportunistisch zu verkochen und demagogisch einzusetzen…“</em></p>
<p>Dir, den mit Dir Referierenden und den Euch zustimmenden Versammelten solidarische Grüße, herzlich – Esther Bejarano und Rolf Becker </p>
<p>10. Juni 2017
</p></blockquote>
<blockquote><p><strong>Die Rede unseres Autors Moshe Zuckermann auf der Konferenz »50 Jahre israelische Besatzung« des Deutschen Koordinationskreis Palästina Israel in Frankfurt vom 9. Juni 2017</strong><br />
<iframe width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/hL5IvIF8qDA?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>
</p></blockquote>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/deutsche-abgruende/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>»Entscheidend ist, welche Haltung wir einnehmen«</title>
		<link>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/entscheidend-ist-welche-haltung-wir-einnehmen/</link>
		<comments>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/entscheidend-ist-welche-haltung-wir-einnehmen/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 01 Apr 2017 17:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[M&R Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.melodieundrhythmus.com/?p=15568</guid>
		<description><![CDATA[Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus Interview: Claudia Wrobel Im Editorial der neuen Ausgabe heißt es, die M&#038;R mache mit dem Relaunch <a href="https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/entscheidend-ist-welche-haltung-wir-einnehmen/#more-'" class="more-link">Weiterlesen »</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_15569" style="width: 710px" class="wp-caption alignnone"><img src="http://www.melodieundrhythmus.com/wp-content/uploads/2017/04/93534.jpg" alt="Susann Witt-Stahl auf der XX. Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin, neben ihr Gian Paolo ­Picciami (links) und David Cacchione, Mitglieder der italienischen Band Banda Bassotti Foto: Christian-Ditsch.de" width="700" height="410" class="size-full wp-image-15569" /><p class="wp-caption-text">Susann Witt-Stahl auf der XX. Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin, neben ihr Gian Paolo ­Picciami (links) und David Cacchione, Mitglieder der italienischen Band Banda Bassotti<br /><small>Foto: Christian-Ditsch.de</small></p></div>
<h2>Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus</h2>
<p><em>Interview: Claudia Wrobel</em></p>
<p><strong>Im Editorial der neuen Ausgabe heißt es, die M&#038;R mache mit dem Relaunch keinen »Schritt« von der Musik- zur Kulturzeitschrift, sondern einen »Sprung« hin zu einem »Magazin für Gegenkultur«. Warum ist eine linke Zeitschrift zu diesem Thema wichtig?</strong></p>
<p>Ein Magazin, das »Gegenkultur« auf seine Fahnen schreibt, muss anders als Subkulturmedien nicht nur jenseits des Mainstreams angesiedelt sein. Es muss vielmehr ein Organ für kulturelle und künstlerische Fundamentalopposition gegen die alle Lebensverhältnisse von Mensch und Natur beherrschende falsche Produktionsweise sein. Das ist eine riesige Herausforderung angesichts der Tatsache, dass revolutionäre Kunst heute mit den revolutionären politischen Bewegungen am Boden liegt. Der Kapitalismus hat totalitäre Züge entfaltet. Viele Linke suchen ihr Heil in Opportunismus und Anpassung, Modelle wie »R2G« bieten für einige wenige sicher auch lukrative Exitstrategien. In dieser Zeit brauchen Akteure und Rezipienten, die nicht kapitulieren wollen, um so mehr radikal kritische Medien, auf kultureller wie auf politischer Ebene. Deren Aufgabe ist es, Ansätze und Versuche, die Geschichte gegen den Strich zu bürsten, zu reflektieren, solidarisch zu begleiten und reaktionäre Gegenbewegungen, die den Widerstand zu diskreditieren und zu ersticken trachten, zu entlarven und bloßzustellen. Genau das will M&#038;R versuchen. Es geht ja schließlich in dieser finsteren historischen Epoche um nichts weniger als darum, mit vereinten linken Kräften zu verhindern, dass der Alptraum, den Herbert Marcuse »Gesellschaft ohne Opposition« nannte, wahr wird. Gelingt das, dann ist alles möglich.</p>
<p><strong>Trotzdem lesen sich zumindest die ersten Seiten, auf denen beispielsweise etliche Künstler im Interview zu Wort kommen, wie eine »normale« Kulturzeitung, auch die Plattenkritiken könnte man doch durchaus auch woanders so finden. Was also ist der typische Blick, der nur in der M&#038;R und nicht in der sogenannten Mainstreampresse zu finden ist?</strong></p>
<p>Entscheidend ist, welche Haltung wir gegenüber den Künstlern und Werken einnehmen, über die wir berichten. Es ist ja eine Sache, etwa Konstantin Wecker nach seinem Privatleben zu befragen, und eine ganz andere, mit ihm &#8211; wie in unserer Relaunchausgabe und den Interviews für unser Filmprojekt geschehen – über Karl Marx, Rosa Luxemburg, Antifaschismus und Friedenskultur zu reden. Und natürlich gibt es auch Schnittmengen mit dem Mainstream: Wir bilden den real existierenden Musik-, Literatur-, Film- und Kunstmarkt ab, den wir so zu nehmen haben, wie er ist. Wir müssen dafür allerdings noch erheblich mehr Kritikfähigkeit entwickeln – da gibt es noch Defizite.</p>
<p><strong>An mehreren Stellen ist im Heft von einem politischen Rechtsruck zu lesen, der diese Auseinandersetzung mit Gegenkultur nötig mache. Inwiefern wirkt sich das auf den Kulturbetrieb aus, denn man hat doch im Gegenteil den Eindruck, es gehöre in der Kunst ohnehin zum guten Ton, sich diesem Rechtstrend zu widersetzen?</strong></p>
<p>Das ist richtig. Aber das meiste ist bloße »Gegen-Nazis«-Modeattitüde, die dann sehr schnell abgelegt wird, sobald es richtig ungemütlich wird in diesem Land. Außerdem gibt es ja eine deutlich wahrnehmbare Rechtsentwicklung in der Kultur: »patriotischen« HipHop, faschistischen Punk, Metal und Neofolk, Neoconbands, die vom verblödeten Teil der linken Subkulturszene abgefeiert werden, und, nicht zu vergessen, die wachsende Zahl von Grokomusikanten, die bisher für Gauck, nun für Steinmeier, gern auch für die Bundeswehr am Hindukusch spielen.</p>
<p><strong>In der Einleitung zum Titelthema zieht Moshe Zuckermann große Vordenker heran: Bourdieu, Adorno, Benjamin. Wenn eine Auseinandersetzung mit linker Kultur und Geschichte, gerade in diesen Zeiten so wichtig ist, warum gibt es dann keine neuen Impulse, auf die man sich in eben dieser beziehen kann und sollte? Die Genannten werden auch von den Bürgerlichen immer wieder als Referenz herangezogen?</strong></p>
<p>Zunächst einmal: Moshe Zuckermann setzt sich mit den Theoriebeständen der bedeutendsten marxistischen Kunsttheoretiker des 20. Jahrhunderts &#8211; zumindest Adorno und Benjamin zählen dazu &#8211; auseinander, analysiert sie und zeigt auf, welche ideologiekritischen Potentiale sie für linke Zeitdiagnosen der Gegenwart bergen. In die Abstellkammer der Geschichte mit ihnen und den »ollen« Marx, der ja sogar noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, gleich mit dazu – wäre das die Alternative? Dass heute nahezu die gesamte marxistische Theorie – das gilt nicht nur für Adorno und Benjamin – für bürgerliche Ideologie vereinnahmt und kastriert wird, hat wenig mit einer vermeintlichen Invalidität der Werke zu tun, sondern resultiert aus der Strukturlogik des Neoliberalismus, der enorme Gravitations- und Integrationskräfte hat. Dass zum Beispiel derzeit anlässlich des 150. Jubiläums des »Kapitals« der Versuch unternommen wird, »Karl Marx zum Martin Schulz des 19. Jahrhunderts zuzurichten«, wie jüngst ein M&#038;R-Autor treffend bemerkte, ist ein Grund mehr, in die Offensive zu gehen und den Marxismus als Weltanschauung, Wissenschaft und Bewegungspraxis für seine rechtmäßigen Erben zu bewahren bzw. zurückzuerobern: die Revolutionäre, die eine befreite klassenlose Gesellschaft erkämpfen wollen. Das sind die Leute, von denen M&#038;R gern neue Impulse annimmt.</p>
<p><strong>Von welchen Impulsen reden wir da, wenn Sie in die jüngste Vergangenheit blicken?</strong></p>
<p>Ein am Marxismus orientiertes Kulturmagazin sucht und findet seine Impulsgeber nicht vorwiegend in den Elfenbeintürmen, sondern auf der Straße, in den Ghettos und Slums, natürlich auch in den Betrieben, wo also die Kämpfe zur Lösung der sozialen Frage, für Frieden, gegen Imperialismus und Neofaschismus stattfinden – und auch immer neue widerständische Kultur entsteht. Außerdem gibt es natürlich zeitgenössische Intellektuelle, die Ideologiekritik auf hohem Niveau produzieren, beispielsweise Enzo Traverso, Thomas Metscher. Dass Moshe Zuckermann, der ja auch die Kritische Theorie, etwa Adornos und Horkheimers Kulturindustriethese, weiterentwickelt, zum M&#038;R-Autorenstamm gehört, ist eine große Ehre für uns – er ist gar nicht mehr wegzudenken aus dem Projekt. Die kubanischen Musiker und Publizisten wie etwa Enrique Ubieta, die eine Delegation von M&#038;R und jW vergangenes Jahr in Havanna getroffen hat, sind für uns wichtige Ansprechpartner. Um nur mal einige zu nennen.</p>
<p><strong>In der Fotoreportage zeigen Sie eindrucksvolle Bilder aus Israel und Palästina. Die kommen von einer Gruppe, die nicht rein journalistisch unterwegs ist, sondern die man durchaus als Aktivisten bezeichnen kann. Bringt diese Vermischung ein besonderes Spannungsfeld, oder ist diese Einordnung von außen quasi unvermeidbar, wenn man in der Berichterstattung eine klare Haltung einnimmt, weil das heute nicht selbstverständlich zu finden ist?</strong></p>
<p>Wie die Kollegen von »Activestills« im M&#038;R-Interview erklären, ist die Verbindung von Journalismus und Aktivismus eine bewusste Entscheidung. Mit einem ehrlichen parteiischen Journalismus wollen sie nicht zuletzt die Lügen der etablierten Medien entlarven, die uns unentwegt vorgaukeln, sie würden eine interesselose, sogenannte neutrale Berichterstattung abliefern.</p>
<p><strong>Ich muss zugeben, ich habe mich im ersten Moment erschreckt: Es ist nicht alltäglich, dass man Blut und reale Gewalt auf Fotos sieht, wenn man durch eine Kulturzeitschrift blättert. Ist solch ein Schockmoment gewollt, unausweichlich, dringend nötig – und wurde das in der Redaktion überhaupt als Schockmoment diskutiert?</strong></p>
<p>Nein. Zu der Kultur einer Gesellschaft gehört auch die Kultur ihrer Politik. Fester Bestandteil dieser Kultur ist je nach politischer Interessenlage die Verschleierung oder die Vermarktung der selbst produzierten Greuel. Beide Praktiken lehnen wir ab. Im Gegensatz zu den Boulevardmedien, die mit bluttriefenden Gewaltszenen ohne Rücksicht auf die Gefühle ihrer »Objekte« Kasse machen, sind die Bilder von Activestills voller Empathie für die Opfer. Als der jüdische Friedensaktivist Lymor Goldstein von der israelischen Grenzpolizei niedergeschossen wurde und, noch bei Bewusstsein, mit zwei Kugeln im Kopf blutüberströmt am Boden lag, ist er auf eigenen Wunsch fotografiert worden – ein Bild, das wir in unserer Relaunchausgabe zeigen. Gleiches gilt für die palästinensischen Eltern, die sich mit ihren bei israelischen Luftangriffen getöteten oder schwerverletzten Kindern abbilden ließen. Als ich 2008/2009 während des ersten Gaza-Krieges mit Activestills-Kollegen zusammengearbeitet habe, konnte ich aus der Nähe miterleben, wie einfühlsam und verantwortungsbewusst sie vorgehen. Von meiner eigenen Arbeit auch in anderen Kriegsgebieten weiß ich: Oftmals hilft den Überlebenden von traumatischen Erlebnissen der Gedanke, dass die Welt zu sehen bekommt, was ihnen widerfahren ist. Wer von solchen Konfrontationen »geschockt« ist, sollte sich fragen, ob er sein Gewissen nicht bereits so sehr gegen das allgegenwärtige Grauen abgedichtet hat, dass er nicht einmal mehr mal für eine Minute den Blickkontakt mit dem halten kann, was andere ihr ganzes Leben lang aushalten müssen. Auch für Kulturjournalismus, allemal den, der sich der Gegenkultur verpflichtet fühlt, gilt: Leiden beredt werden zu lassen ist Bedingung aller Wahrheit.</p>
<p><strong>An anderer Stelle arbeiten Sie sich am Vice-Magazin ab und erklären, warum es kein Magazin für Linke sei. Dabei werden in der deutschsprachigen Ausgabe durchaus linke Themen verhandelt, vor allem Antifa würde mir einfallen. Unter jungen Linken ist gefühlt die Fanbasis für die Seite auch stabil. Warum ist das, was dort geboten wird, keine Gegenkultur?</strong></p>
<p>Nicht »abgearbeitet« – ideologiekritisch aufgespießt habe ich das Vice-Magazin. Das ist ein Unterschied. Vice ist in der Hand von Medienmoguln wie Rupert Murdoch, entsprechend betreibt es das schmutzige Geschäft der Kriegspropanda, des Unterklassenbashings, hypt prowestliche ukrainische Faschistenbanden und trivialisiert zu allem Übel den Holocaust, der unter der Rubrik »Stuff« verbraten wird. So etwas tun sich doch Antifaschisten im Normalfall nicht an, sondern vor allem Hipster und andere Fashion-Victims neoliberaler Subkultur, die bestenfalls ein kulturindustrielles, aber kein politisches Verständnis von »gegen rechts« haben – diese Klientel ist eher Teil des Problems, sicher nicht der Lösung.</p>
<p><strong>Ich komme noch mal auf den Rechtsruck zu sprechen, der immer wieder im Heft erwähnt wird: Ist es in so einer Situation nicht nötig, auch mit solchen Linken zusammenzustehen, die vielleicht nicht zu 100 Prozent die reine Lehre vertreten? Sonst ist man doch ganz schnell beim Sektierertum und der Parole »Mein Kommunismus funktioniert nur alleine«.</strong></p>
<p>Welche »solche Linke« meinen Sie – die, die sich von der Erkenntnis, dass Faschismus eine Form bürgerlicher Herrschaft ist, verabschiedet haben und vor dem Inlandsgeheimdienst nur noch als Antifakarikaturen Männchen machen? Ansonsten wüsste ich nicht, wie eine Auseinandersetzung mit dem riesigen Spektrum verschiedenster politischer Kulturen aus den Lagern der antikapitalistischen Linken, die in der Tradition der 1932 gegründeten Antifaschistischen Aktion stehen, mit Anarchisten, Marxisten, Sozialisten oder Kommunisten, wie sie in M&#038;R stattfindet, ins Sektierertum führen sollte.</p>
<p><strong>Trotzdem schließt man doch mit diesem Verständnis all jene aus, die sich gerade »anpolitisieren«, wie man es oft nennt. Das sind meist vor allem junge Leute, die bei der Beschäftigung mit politischer Theorie und Praxis ganz sicher den einen oder anderen Fehler machen. Trotzdem sollte doch deren Interesse gerade unser Ansporn sein, in der Überzeugungsarbeit nicht nachzulassen – gerade weil wir die besseren Argumente haben als diese Linken, die Karikaturen ihrer selbst sind.</strong></p>
<p>Dieser mit einem gewissen pädagogischen Eifer aufgeladene und auch einem Spritzer Moralinsäure gewürzte Einwand wird heute häufig bemüht – nicht zuletzt, um jede Ideologiekritik an den vielfältigen Erscheinungsformen des Verrats am marxistischen Weltveränderungspostulat stumm zu machen. Zentrale Aufgabe des linken Journalismus ist doch aber nicht die Erziehung, sondern die radikale Aufklärung seiner Rezipienten. Das heißt, dass wir im Gegensatz zum Gros der bürgerlichen Medien keine »Meinungsmacher« sein, sondern den Menschen die ungefilterten Informationen, Analysen und Kommentare liefern wollen, auf deren Basis sie sich autonom ihre eigene Meinung bilden können. Entsprechend nehmen wir die »anpolitisierten Jugendlichen«, die Sie ins Feld führen und die leider oft als Alibi für alle möglichen Verhüllungen von Widersprüchen herhalten müssen, ernst und entscheiden nicht für sie, welche Kritik sie aushalten und verdauen können. Entscheidend ist doch, ob diese Kritik objektiv gerechtfertigt und notwendig ist. Da jeder frei entscheiden kann, ob er sich damit auseinandersetzen, sie diskutieren, sie plausibel finden und Positionen korrigieren möchte oder eben nicht, wüsste ich nicht, was an dem von mir geäußerten Verständnis ausgrenzend sein könnte.</p>
<p><strong>Neben dem Magazin, das ab dem Relaunch nur noch alle drei statt alle zwei Monate erscheinen soll, gibt es eine Menge Nebenprojekte zur M&#038;R, ein Film mit Moshe Zuckermann und Esther Bejarano ist mittlerweile in der Postproduktion, einer zu Konstantin Weckers 70. Geburtstag in Arbeit, außerdem machen Sie mit beim Festival der Jugend der SDAJ. Wie fügt sich das alles zusammen?</strong></p>
<p>Was Sie erwähnen, sind Organisationen bzw. Künstler und Intellektuelle – da wäre auch noch Rolf Becker zu nennen –, die in Opposition gegen den rechten Zeitgeist stehen. Daher sehen wir es als unsere vornehme Pflicht, ihr Wirken zu dokumentieren. Damit die Agenda »Gegenkultur« erfolgreich sein kann, müsste M&#038;R sich von einem Magazin zu einer multimedialen linken Kulturinstitution entwickeln. Aber das ist natürlich »Musik« für die Zukunft – und zwar für eine sehr ferne.</p>
<p><strong>Haben Sie keine Angst, sich damit dann zu übernehmen? Einerseits organisatorisch, aber auch finanziell, denn natürlich muss man auch mal über die Finanzierung reden: Schreckt die Neuausrichtung, die ja in Ansätzen bereits vor drei Jahren begonnen hat, von einer Musikzeitschrift, die eine Plattform für Ostkünstler war, über eine politische Musikzeitschrift hin zu diesem »Magazin für Gegenkultur« nicht potentielle Anzeigenkunden? Und wenn ja, wie kann man das auffangen?</strong></p>
<p>Ja, die Gefahr des Scheiterns besteht natürlich. Aber der Herausgeber, der Verlag 8. Mai, hat die Alarmzeichen der Zeit erkannt, konsequent gehandelt und sich entschieden, nicht nur mit der jW kritisch-aufklärerischen Politik-, sondern auch Gegenkulturjournalismus zu machen. Diese Entschlossenheit nötigt unserem M&#038;R-Redaktionskollektiv Respekt und eine ziemlich hohe Einsatzbereitschaft ab. Und nun ist es an den alten und potentiellen neuen Lesern zu entscheiden, ob sie sich mit durch Reklame finanzierten Kulturindustriejunk von Konzernmedien wie Vice oder RTL abspeisen lassen oder doch meinen, dass es sich lohnt, ein paar Euro in unabhängigen kritischen Kulturjournalismus zu investieren.</p>
<p><strong>Generell ist ein Printprodukt in dem Marktsegment etwas Ungewöhnliches. Andere werden dichtgemacht, Information über Kunst und Kultur findet im Internet statt, vermehrt über Videoplattformen, betrieben nicht nur von Künstlern, die sich von Verlagen frei machen, sondern durchaus auch immer noch orchestriert und mit Redaktion im Hintergrund. Warum braucht es also eine Zeitung – wäre der Aufbau einer Internetplattform auf lange Sicht nicht lohnender, denn ich mutmaße mal, irgendwann wird das Printprodukt nicht mehr haltbar sein, und der Schritt, im Netz Geld zu verdienen, wird unausweichlich.</strong></p>
<p>Dass Medien ohne Internetpräsenz praktisch keine Überlebenschance haben, ist sicher richtig, aber die Behauptung, dass der Printjournalismus tot ist, bleibt solange ein Gerücht, bis sie bewiesen ist. </p>
<p>Aus: <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/307826.entscheidend-ist-welche-haltung-wir-einnehmen.html" target="_blank"><em>junge Welt</em> vom 25.03.2017</a>, Wochenendbeilage</p>
<blockquote><p><strong>Susann Witt-Stahl</strong> arbeitet seit Abschluss ihres Studiums der Musikwissenschaften und Philosophie im Netzwerk freier Journalisten »Stahlpress-Medienbüro«, Ressorts Kultur und Politik, in Hamburg. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem die Kultur des Krieges, Kulturindustriekritik, Faschismus/Antifaschismus und der Konflikt in der Ukraine. Seit 2014 ist sie Chefredakteurin des kritischen Kulturmagazins Melodie &#038; Rhythmus, M&#038;R, das ebenfalls in der Verlag 8. Mai GmbH erscheint.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/entscheidend-ist-welche-haltung-wir-einnehmen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>»Losgelöst von allen Wurzeln …« − der Film</title>
		<link>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/losgeloest-film/</link>
		<comments>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/losgeloest-film/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2017 12:33:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[M&R Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.melodieundrhythmus.com/?p=15174</guid>
		<description><![CDATA[Eine Wanderung zwischen den jüdischen Welten Begleitet von ihrem langjährigen Freund, dem Schauspieler Rolf Becker, sprachen Esther Bejarano, Sängerin und ehemaliges Mitglied des Mädchenorchesters von Auschwitz, und Moshe Zuckermann, Historiker <a href="https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/losgeloest-film/#more-'" class="more-link">Weiterlesen »</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><iframe width="680" height="383" src="https://www.youtube.com/embed/dw6mSDV1u98" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<h3>Eine Wanderung zwischen den jüdischen Welten</h3>
<p><big>Begleitet von ihrem langjährigen Freund, dem Schauspieler Rolf Becker, sprachen Esther Bejarano, Sängerin und ehemaliges Mitglied des Mädchenorchesters von Auschwitz, und Moshe Zuckermann, Historiker und Kunsttheoretiker aus Tel Aviv, auf zwei von der Kulturzeitschrift Melodie &#038; Rhythmus (M&#038;R) initiierten Veranstaltungen in Berlin und Hamburg über ihre jüdischen Erfahrungen mit der untergegangenen Welt der Diaspora, ihr Leben im Täterland und im modernen zionistischen Staat. M&#038;R und die Tageszeitung junge Welt präsentieren eine Filmdokumentation mit ausgewählten Szenen.</big></p>
<p><big>Die Premiere des rund zweistündigen Films wird am Donnerstag, den 2. Februar, 19 Uhr,<br />
mit Rolf Becker in der jW-Ladengalerie, Torstraße 6, Berlin, stattfinden. Der Eintritt ist frei.</big></p>
<p><big>Nähere Informationen und Kontakt: <a href="http://www.melodieundrhythmus.com/mr-1-2017/losgeloest/" target="_blank">www.melodieundrhythmus.com/mr-1-2017/losgeloest/</a></big></p>
<p><big>Die DVD erhalten Sie im <a href="http://www.mr-onlineshop.com/dvd/losgeloest/" target="_blank">M&#038;R-Onlineshop</a> für 9,90 Euro pro DVD, zzgl Versandkosten von 3,90 Euro.</big></p>
<p><a href="http://www.mr-onlineshop.com/dvd/losgeloest/"><img src="http://www.melodieundrhythmus.com/wp-content/uploads/2017/01/DVDLosgeloest1.png" alt="Jetzt bestellen" width="680" height="97" class="alignnone size-full wp-image-15258" /></a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/losgeloest-film/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Liebe ist ewig</title>
		<link>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/die-liebe-ist-ewig/</link>
		<comments>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/die-liebe-ist-ewig/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Jul 2016 17:52:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[M&R Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.melodieundrhythmus.com/?p=14167</guid>
		<description><![CDATA[Gerardo Alfonso &#038; Friends in Hamburg Der große Saal des Tschaikowsky-Hauses im Hamburger Karolinenviertel war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Publikum empfing Gerardo Alfonso, Kubas populärsten Vertreter der <a href="https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/die-liebe-ist-ewig/#more-'" class="more-link">Weiterlesen »</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p></p>
<p><strong>Gerardo Alfonso &#038; Friends in Hamburg</strong></p>
<p>Der große Saal des Tschaikowsky-Hauses im Hamburger Karolinenviertel war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Publikum empfing Gerardo Alfonso, Kubas populärsten Vertreter der Nueva Trova, mit einem warmherzigen Applaus. Viele Kuba-Freunde waren gekommen an diesem Abend.</p>
<p>»Das wird ein langes Konzert«, versprach Gerardo und intonierte sogleich den ersten Song eines Solo-Sets am Steinway-Flügel. Mit seinem neuen Titel »La ruta del esclavo« (Der Weg der Sklaven) erinnerte er daran, dass »rassistische Diskriminierung bis heute nicht überwunden ist«. Dann holte der Trovador sich Verstärkung: Sein Sohn Tobias, 16 Jahre Jahre jung, und Liedermacher Tobias Thiele, Alfonsos musikalischer Ziehsohn, präsentierten eigene Kompositionen. </p>
<p>Das letzte Drittel bestritten die Musiker gemeinsam. Dabei durfte Gerardos Liebeserklärung an seine Geburtsstadt Havanna »Sábanas blancas« (Weiße Bettlaken) ebenso wenig fehlen wie sein poetisches Denkmal für den Revolutionär Che Guevara »Son los sueños todavia« (Es sind immer noch Träume) – der Höhepunkt des Abends. »Ich weiß genau, eines Tages wirst Du zurückkehren / Du wirst an irgendeinen Ort wiederkehren / Weil der Schmerz die Utopie nicht töten kann / Denn die Liebe ist ewig / Und die Menschen, die Dich lieben, werden Dich nicht vergessen.«</p>
<p>Nach mehr als zwei Stunden Konzert und drei Zugaben entließ das Publikum das Trio – sichtbar schweren Herzens. Backstage begrüßte Schauspieler Rolf Becker die compañeros und schloss sie sogleich in die Arme. Danach zog es Gerardo &#038; Friends auf die Reeperbahn und in die Große Freiheit, wo sich von 1962 bis 1969 der legendäre Star-Club befunden hatte. »Ich musste unbedingt den Ort besuchen, wo die Beatles gespielt haben«, sagte Gerardo, bevor es weiter nach Altona ging zur »Viva-Cuba-Party«.</p>
<p><em>Text/Fotos: Susann Witt-Stahl</em></p>
<p><strong>Weitere Termine der »Viva Cuba«-Tour: </strong><a href="http://www.melodieundrhythmus.com/viva-cuba-tour/">www.melodieundrhythmus.com/viva-cuba-tour</a></p>
<p><a href="http://www.melodieundrhythmus.com/wp-content/uploads/2016/06/M_R_300_169_Gerardo.png"><img src="http://www.melodieundrhythmus.com/wp-content/uploads/2015/01/Gerardo.png" alt="" width="680" class="alignnone size-full wp-image-13745" /></a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/die-liebe-ist-ewig/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zwischen den Stühlen</title>
		<link>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/zwischen-den-stuehlen/</link>
		<comments>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/zwischen-den-stuehlen/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 16 Apr 2016 15:38:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[M&R Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.melodieundrhythmus.com/?p=13560</guid>
		<description><![CDATA[Barbara Thalheim: Künstlerin, Intellektuelle, kritische Gewerkschafterin Die Sängerin und Komponistin zu Gast in der Ladengalerie der jungen Welt: Sie singt, erzählt und diskutiert. Die Veranstaltung findet im Rahmen einer Kooperation <a href="https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/zwischen-den-stuehlen/#more-'" class="more-link">Weiterlesen »</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_13561" style="width: 690px" class="wp-caption alignnone"><img src="http://www.melodieundrhythmus.com/wp-content/uploads/2016/04/thalheim.jpg" alt="Foto: Ludwig Rauch" width="680" height="429" class="size-full wp-image-13561" /><p class="wp-caption-text"><small>Foto: Ludwig Rauch</small></p></div>
<h3>Barbara Thalheim:<br />
Künstlerin, Intellektuelle, kritische Gewerkschafterin</h3>
<p>Die Sängerin und Komponistin zu Gast in der Ladengalerie der jungen Welt: Sie<br />
singt, erzählt und diskutiert. Die Veranstaltung findet im Rahmen einer Kooperation<br />
der ver.di-Zeitschrift KUNST+KULTUR und Melodie und Rhythmus statt.</p>
<p>Moderiert wird der Abend von Burkhard Baltzer, Chefredakteur der KUNST+ KULTUR.</p>
<p>Donnerstag, 26. Mai, 19 Uhr<br />
jW-Ladengalerie<br />
Torstraße 6, Berlin<br />
Eintritt: 5.– Euro ( ermäßigt: 3.– Euro)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://www.melodieundrhythmus.com/mr-aktuell/zwischen-den-stuehlen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
