Melodie & Rhythmus

»Damals …«

23.06.2015 14:29
Foto: Juan Medina (Reuters)

Foto: Juan Medina (Reuters)

titel

Zwischen Aufbruch und Stagnation
Salif Keïta erkundet die Widersprüche des postkolonialen Bewusstseins

Jörg Tiedjen

Es ist ein Lied, wie man es sich melancholischer kaum vorstellen kann: »Folon« von Salif Keïta. Mit zärtlich-gebrochener Stimme ruft der malische Sänger darin eine Vergangenheit wach, in der »das Leben eine positive Erfahrung war«, wie er einmal im Interview mit dem ugandischen Journalisten Opiyo Oloya sagte; »Folon« ist Malinke und heißt »damals«. Gleichzeitig beschwört der Song aber auch einen Zustand vollkommener Gleichgültigkeit: »Damals wurdest du nicht gefragt / Damals wurde ich nicht gefragt / Damals geschah es einfach / Damals … Alles, was geschah / Damals … Niemanden kümmerte es.«

Geradezu klagend fährt das Lied fort: »Wer einen Gedanken hatte / Wer Glück hatte / Wer Hunger hatte / Damals … Egal, was du empfandest / Damals … Du konntest es nicht sagen / Damals, damals … Niemanden kümmerte es.« Die letzte Strophe wechselt in die Gegenwart und mahnt: »Heute wirst du gefragt / Heute werde ich, ich werde gefragt / Heute sind wir alle gefragt / Heute … Bei allem, was geschieht / Auf dich kommt es an.« Gleichwohl lautet der abschließende Vers: »Damals, damals … Niemanden kümmerte es.«

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 4/2015, erhältlich ab dem 26. Juni 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

TOP 10: Juni 2024

Liederbestenliste

Ältere M&R-Newsletter

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Rudolstadtfestival 2023: Viva Cuba

Fotos von Katja Koschmieder und Jens Schulze weiterlesen

In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

flashback