Melodie & Rhythmus

Spät, aber nicht zu spät

15.06.2021 12:00
Foto: RBB / neumgraf.de

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Mit Hannes Zerbe würdigt Berlin einen der bedeutendsten Jazzkomponisten der DDR

Hannes Zerbe war in seinem Metier, wie er selbst einmal gesagt hat, ein »absoluter Spätentwickler«. Zum Jazz kam der 1941 in Lodz geborene Komponist und Pianist nämlich erst im Jahr 1970, als er in der Berliner Nachtbar Café Moskau die Gospelsängerin Etta Cameron kennenlernte. War Zerbe vielleicht im Jazzgeschäft »spät dran«, so war er doch zur rechten Zeit, Mitte der 70er-Jahre, am rechten Ort – erst Dresden, dann Ostberlin. Sein Frühwerk gehört jedenfalls zu den wichtigsten Jazzbeiträgen aus dem sozialistischen Deutschland, und seine Arbeiten mit der Gruppe FEZ und seiner Blech Band, mit der er vor allem Eisler, Weill, Dessau und Co. spielte, überzeugen bis heute durch ihre Klarheit und Kompromisslosigkeit.

Das Ende der DDR und die damit für Berufsmusiker eintretenden »unwürdigen Bedingungen« (Zerbe) ließen ihn indes nicht verstummen. Im Gegenteil: Mit seinem 2011 gegründeten Jazz Orchester lotet er bis heute Grenzen und Übergänge von durchkomponierter Kunst- zur Improvisationsmusik aus. 2019 brachte er zusammen mit dem Schauspieler Rolf Becker eine Hommage an Hans Werner Henzes Oratorium »Das Floß der Medusa« auf die Bühne der M&R-Künstlerkonferenz. Jetzt ist Zerbe, der am 17. Dezember seinen 80. Geburtstag feiern wird, mit dem mit 15.000 Euro dotierten Jazzpreis Berlin ausgezeichnet worden.

red

Der Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 3/2021, erhältlich ab dem 18. Juni 2021 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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