Melodie & Rhythmus

Diese alten bösen Lieder

26.02.2013 14:56

Daniel Kahn

Daniel Kahn präsentiert seine neue Platte und sich selbst als Inkarnation von Nathan »Prince« Nazaroff
Text: Lena Zade, Fotos: Kay Rachui

Daniel Kahn mag es anachronistisch. Zu Beginn seines Tour-Abschlusskonzertes in einer kalten Januarnacht im Berliner Festsaal Kreuzberg spielt er mit seiner Band, den Painting Birds, ein jiddisches Traditional aus dem 19. Jahrhundert. Das Lied handele von einer Frau, die er einmal sehr gut gekannt habe, seufzt der Anzugträger, der sich im nächsten Moment einen »Sentimentalisten« zeiht. »A Meydl from Berlin« ist einer der vielen »bad old songs«, die der 34-jährige sehr gegenwärtig interpretiert.

Zu dieser ungewöhnlichen, die Jahrhunderte durchkreuzenden Liebe, gesellen sich eigene sowie Lieder von Leonard Cohen und nicht zuletzt von Robert Schumann, der mit der Vertonung von Heines Gedicht »Die Alten Bösen Lieder« Kahn einen Wegweiser an die Hand gab, wie Traditionen hinterfragt und zugleich angeeignet werden können. In der teilweise jiddischen Fassung der Painting Birds klingt Schumann wie ein Vorfahre Kahns, der sich wiederum anschließend selbst mit Degenhardts »Die alten Lieder« kommentiert.

Zuvor hatte der gebürtige Detroiter eine kleine Spieluhr aus der Hosentasche gezogen. In gespenstischer Einfalt erklang die bekannte Melodie von »Lili Marleen«, die mitzusummen der Saal nur zögernd einsetzte. Aber selbst diesen fragwürdigen Schlager holt Kahn aus seiner nationalistischen Ecke, indem er ihn auf Jiddisch singt. Auf wen wohl wartet diese Lili im Licht einer Straßenlaterne?

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 2/2013, erhältlich ab dem 1. März 2013 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Anzeigen



In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

TOP 10: OKTOBER 2022

Liederbestenliste

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 5% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop
logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

Jetzt abonnieren
flashback