Melodie & Rhythmus

M&R-Newsletter 4/2025, 19.9.2025

Zerstörung der Menschlichkeit

Feindmarkierung, Vernichtungsdrang und Zerfall der »zivilisierten« Kultur

Susann Witt-Stahl

In der deutschen Gesellschaft tun sich Abgründe auf. Hass gab es immer. Kommt er von unten, erweist er sich oftmals als ein ohnmächtiges Aufbäumen gegen die erdrückenden falschen Verhältnisse und spiegelt das Versagen der gesellschaftlichen Linken, eine Opposition hervorzubringen, die ihn produktiv macht und in revolutionäre Politik übersetzen könnte. Aber heute hat gallige Hetze ein bisher ungekanntes Maß erreicht. Dämonisierung, Diffamierung, Demütigung, Denunziation, Doxing – kein Mittel scheint zu schäbig, um »Feinde« zu markieren. Waren es vor einigen Jahren vorwiegend noch der marginalisierte »(clan-)kriminelle Ausländer«, »arbeitsscheue Sozialbetrüger« und »linke Krawallant«, stehen nun auch (wieder) die »Barbaren« im Osten und im globalen Süden sowie der auffällig für Frieden und universelle Gültigkeit von Menschenrechten engagierte bürgerliche Humanist auf der Abschussliste.

weiterlesen

Foto: imago images / KHARBINE-TAPABOR

M&R-Newsletter 3/2025, 13.6.2025

In der Spaßblase

Die Politikinszenierungen der Partei Die Linke zwischen konformistischer Auflehnung und rücksichtslosem Hedonismus

Susann Witt-Stahl

In Regenbogenfahnen gehüllte Teenager stehen Schlange für ein Selfie mit Heidi Reichinnek. Die Spitzenkandidatin der Partei Die Linke für die Bundestagswahl 2025 war innerhalb weniger Monate zu einem Top-»Celebrity Crush« avanciert. Die Fanbase ist begeistert, wenn Reichinnek, wie etwa als Schirmherrin des CSD in Osnabrück, lauthals einstimmt, sobald Cindy Laupers »Girls Just Want to Have Fun« aus einem Lautsprecher ertönt und dabei auf und ab hüpft wie ein kleines Mädchen. Sie will stets als Powerpaket rüberkommen. »Ich weiß gar nicht, wohin mit meiner ganzen Energie«, sagt sie der Taz. Grenzenlos das Entzücken, wenn sie scheinbar »freche Dinge« wie »Fuck the Patriarchy!« ruft und die Zeilen »Du hast nie gelernt, dich zu artikulieren und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit. Arschloch!« von der Band Die Ärzte mitsingt. Dass der »Antifa«-Hit voller Häme gegen die gesellschaftlichen Verlierer und damit alles andere als links ist, tut der überbordenden Freude keinen Abbruch – Hauptsache irgendwas »gegen Nazis«. Wer auf »die da oben« zeigt, gehört laut Reichinnek sowieso zu den »Wutbürgern«.

weiterlesen

Foto: IMAGO/Amrei Schulz

 

Bestellen Sie den Newsletter von Melodie & Rhythmus!

Bis zu einem möglichen Neustart der M&R wollen wir Sie regelmäßig mit einem kostenlosen Newsletter informieren. Neben einem aktuellen M&R-Hintergrundartikel wird es Hinweise auf Neuerscheinungen und Termine geben.
In den ersten zwei Wochen nach Erscheinen ist der Artikel exklusiv für die Bezieher des Newsletters zugänglich. Sofern Sie sich noch nicht für den Newsletter eingetragen haben sollten, können Sie diesen hier kostenlos bestellen.

In eigener Sache:

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

Anzeigen

TOP 10: Dezember 2024

Liederbestenliste

Ältere M&R-Newsletter

M&R-Newsletter 4/2025

Zerstörung der Menschlichkeit

M&R-Newsletter 3/2025

In der Spaßblase

M&R-Newsletter 2/2025

Rettung der Vergangenheit

M&R-Newsletter 1/2025

Eiserne Staatsräson

Berechtigte Mahnungen

M&R-Newsletter 4/2024

Triumph der Reaktion

M&R-Newsletter 3/2024

Repressives Dogma

M&R-Newsletter 2/2024

»Eine neue Flamme«

M&R-Newsletter 1/2024

Verordneter Philosemitismus

M&R-Newsletter 4/2023

Wiederschlechtmachung

M&R-Newsletter 3/2023

Ideologische Supermacht
»Komm auf die dunkle Seite!«

M&R-Newsletter 2/2023

Kriegsstifter und Friedenshetzer
Lachend in den dritten Weltkrieg?

M&R-Newsletter 1/2023

Sag mir wo die Blumen sind
Nie wieder Frieden

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Rudolstadtfestival 2023: Viva Cuba

Fotos von Katja Koschmieder und Jens Schulze weiterlesen

In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Aktionsabo junge Welt

flashback