Melodie & Rhythmus

Aktuelle Ausgabe


In eigener Sache:

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

cover 2-22

Inhaltsverzeichnis Ausgabe bestellen Abonnieren

Magazin

Neueröffnung des »Aufklärungslokals«
Die junge-Welt-Ladengalerie wird zur Maigalerie – im Wonnemonat geht’s endlich wieder los mit attraktiven Ausstellungen und Veranstaltungen

Ihre Leser wissen es zu schätzen, dass die junge Welt mehr als eine Tageszeitung ist. Zu diesem »Mehr« gehört seit fast 15 Jahren eine Ladengalerie, die am 7. Oktober 2007 im Erdgeschoss der Torstraße 6 mit »Bildern zur Zeit« von Joachim John eröffnet wurde. Bereits die erste Ausstellung gab die Richtung vor: Es sollte ein Kampfplatz der politischen und kulturellen Gegengegenaufklärung entstehen. weiterlesen

Sabotage einer Wahl
Dokumentarfilm über die konzertierte Hetzkampagne gegen Jeremy Corbyn

Das Projekt soll die »größte Lüge in der politischen Geschichte Großbritanniens aufdecken«. Gemeint sind die falschen Antisemitismusvorwürfe und andere Propagandaattacken gegen Jeremy Corbyn. Mit diesem Politiker hatten Millionen vorwiegend junger Linker ihre ganzen Hoffnungen auf eine neue sozialistische Perspektive verbunden, und über 500.000 von ihnen waren in die Labour Party eingetreten. Seit seinem Aufstieg zum Chef der Partei, 2015, bis zu seiner Niederlage bei der Unterhauswahl 2019, seiner Entmachtung und schließlich seinem – mittlerweile revidierten – Ausschluss war Corbyn permanent einer »orchestrierten Kampagne« ausgesetzt, wie Moshé Machover sagt. Der Intellektuelle gehört zu den zahlreichen jüdischen Unterstützern von Corbyn und analysiert in dem Dokumentarfilm »Labour: The Big Lie« die Allianz aus Blairisten, Parteibürokraten, proisraelischen und anderen Rechten, darunter auch Trumpisten und Alt-Right-Aktivisten, die mit intriganten, zum Teil kriminellen Machenschaften agieren. weiterlesen

Kunst & Künstler

nadav3
Phantasmen einer bigotten Gesellschaft
Der israelische Filmemacher Nadav Lapid nähert sich der kranken Seele seines Landes mit radikalem Subjektivismus

Seit Nadav Lapid mit seinem Drama »Synonyme« bei der Berlinale 2019 den Goldenen Bären gewonnen hat, gilt er einem internationalen Publikum als einer der wichtigsten israelischen Filmemacher seiner Generation. Mit seinem neuen Werk »Aheds Knie«, das 2021 bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde, hat der 1975 in Tel Aviv geborene Regisseur nun eine radikal subjektive Kritik an der Rechtsentwicklung in seinem Land formuliert, die auch die Hybris und Ignoranz des (links-)liberalen Israels nicht ausspart. M&R sprach mit Lapid über politische Inhalte und ästhetische Aspekte seines Films, über zionistische Ideologeme sowie über die Möglichkeiten und Grenzen seines filmkünstlerischen Schaffens in einer von pathologischem Irrationalismus gezeichneten Gesellschaft. weiterlesen
Foto: Grandfilm


Den Blick auf die Welt öffnen
Monika Ehrhardt Lakomy präsentiert José Martís »Geschichten für Kinder« als Hörspiel – ein Solidaritätsprojekt für Kuba

José Martí hat die zutiefst humanistischen Ideale der Kubanischen Revolution erheblich mitgeprägt. Er hat sie propagiert, er starb für sie, und sie haben bis in unsere Gegenwart Bestand im Bildungswesen Kubas. Heute steht eine Martí-Statue vor jeder Schule der Karibikinsel, die seit sieben Jahrzehnten zwar unabhängig ist, deren Bevölkerung aber immer noch malträtiert wird von den Yankees ‒ mit einer Dauerblockade, auf dass die überwundenen Herrschaftsverhältnisse wiederhergestellt werden mögen. weiterlesen

Titelthema

Kleine Sklaven
Die kapitalistische Industrie beutet seit Jahrhunderten die Arbeitskraft von Kindern aus – in der Literatur erfährt dieser barbarische Zustand bis heute bemerkenswert wenig Beachtung

In seiner bahnbrechenden »Geschichte der Kindheit« von 1960 wies der Mediävist Philippe Ariès (1914–1984) darauf hin, dass es in der Feudalzeit kaum Darstellungen von Kindern in den bildenden Künsten gab – mit Ausnahme des Jesuskindes. Er schrieb: »Die Vorstellung, das Bild eines Kindes zu bewahren, ob dieses nun am Leben geblieben oder aber im zarten Alter gestorben war, kannte man nicht. Im ersten Falle war die Kindheit nur eine bedeutungslose Übergangszeit, die man nicht im Gedächtnis zu behalten brauchte; im zweiten Falle, das heißt, wenn das Kind gestorben war, fand man nicht, dass dieses kleine Ding, dass allzu früh wieder aus der Welt verschwunden war, des Andenkens würdig sei: Dafür gab es zu viele, die unter den gleichen Schwierigkeiten am Leben erhalten werden mussten!«, so Ariès. weiterlesen

Produktivität freisetzen
Asja Lācis’ proletarisches Kindertheater und ihr materialistisches Programm zur politisch-ästhetischen Erziehung

Als nach dem Sieg der Bolschewiki 1917 auch der »Theateroktober« anbrach, erlebte Anna Ernestowna – »Asja« – Lācis (1891–1979), wie sich die Beziehungen zwischen den Menschen veränderten. »Das Theater drang auf die Straße vor und die Straße ins Theater«, hielt die lettische Regisseurin später fest. […] Lācis wollte die avantgardistischen Ausdrucksformen mit einem pädagogischen Ansatz verbinden und widmete ihre Arbeit den Besprisorniki: den Scharen von verwahrlosten Waisenkindern, die sich auf Straßen und Marktplätzen tummelten.weiterlesen

»Es ist eine magische Welt …«
Anmerkungen zu Kindercomics

Über die Entstehung des modernen Mediums Comic aus traditionellen Bild-Text-Angeboten in den US-amerikanischen Zeitungen des beginnenden 20. Jahrhunderts gibt es etliche Gründungserzählungen, in denen sich das Ästhetische, das Soziale und das Ökonomische auf bemerkenswerte Weise verbinden. Sie erweisen sich insofern als Legenden, als sie Vereinfachungen von in Wirklichkeit sehr viel komplizierteren Medienentwicklungen darstellen. weiterlesen

Online-Spezial:

Über soldatische Gewaltmenschen und Kinder
In memoriam Peter Eisler und Chilmi Shousha

Im Jahre 1996 ist das elfjährige palästinensische Kind Chilmi Shousha von einem jüdischen Siedler erschlagen worden. Das mag den Ausgangspunkt für folgende Reflexionen abgeben. »Was kann ich ihm bescheiden, womit soll das Kind gesegnet sein? – fragte der Engel«, heißt es in einem berühmten israelischen Lied aus der Zeit nach dem 1967er-Krieg. Leben – so geht es aus den weiteren Zeilen des Liedes hervor – war eine der dem Engel zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Segnung. Aber es gibt ja keine Engel. Und auch der Glaube, der sich immer noch mit dem letzten Rest seiner neurotischen Kraft um ein Anzeichen für Gottes Existenz bemüht, wird angesichts einer nicht abbrechen wollenden Katastrophengeschichte der Menschheit zunehmend schwieriger und komplexer – besonders dann, wenn sich jene Form mörderischen Grauens ereignet, das die Entfremdung des Menschen von Seinesgleichen gleichsam auf die Spitze der Barbarei zu treiben scheint: die Begegnung von soldatischen Gewaltmenschen und Kindern. weiterlesen

Werke


Weggesperrt
Kinder und Jugendliche in US-Gefängnissen
Fotoreportage von Richard Ross weiterlesen
Foto: Richard Ross

»Die Haft zerstört sie«
Richard Ross über den inhumanen Jugendstrafvollzug in den USA

Der US-amerikanische Fotograf Richard Ross erfährt als Leiter des Projekts »Juvenile in Justice« schon seit mehr als einem Jahrzehnt große internationale Aufmerksamkeit. 2012 wurde er dafür mit dem Preis für die beste Nachrichten- und Dokumentarfotografie ausgezeichnet. Für seine Langzeitreportage über die Zustände in den Jugendgefängnissen der USA hat Ross, der 1947 in New York geboren wurde und an der Universität Santa Barbara in Kalifornien Bildjournalismus lehrt, minderjährige Häftlinge fotografiert, interviewt und ihnen damit auch eine Stimme gegeben. weiterlesen

KRITIK & REFLEXION


»Die Zukunft wird sich wie die Vergangenheit anhören«
Ian Brennan über Kapitalkonzentration und Monokultur auf dem Musikmarkt

Der US-amerikanische Musikproduzent Ian Brennan hat mit Bands und Solokünstlern wie Fugazi und Merle Haggard gearbeitet, aber auch Aufnahmen mit Häftlingen in einem Hochsicherheitsgefängnis im südostafrikanischen Malawi gemacht. Für seine Erfolge als Produzent wurde er mehrfach für einen Grammy nominiert, 2011 erhielt er die begehrte Auszeichnung für seine Arbeit mit der Tuareg-Band Tinariwen. Als ausgewiesener Kenner des Musikmarktes gehört er aber auch zu dessen schärfsten Kritikern. weiterlesen

Angst vor dem eigenen Schatten
Eine Kritik an der Linken als Stütze des bröckelnden neoliberalen Systems

Die kapitalistische Weltordnung unter der Hegemonie der USA wankt. So lautet ein zentraler Befund der Publizisten und Betreiber des englischsprachigen Podcasts Aufhebunga Bunga, Alex Hochuli, George Hoare und Philip Cunliffe, in ihrem jüngst in deutscher Übersetzung erschienenen Buch »Das Ende des Endes der Geschichte«. Darin gehen sie nicht nur der Frage nach, wie sich Politik und Gesellschaft in Zukunft unter diesem Vorzeichen entwickeln werden – sondern auch hart ins Gericht mit der Linken. weiterlesen

Strahlende Zukunft?
Roadmovie über eine verrückte Reise durch kontaminiertes Land in den USA

Mit dem Film »Nuclear Family« dokumentiert eine Familie ihren bizarr anmutenden Trip durch ehemalige Kernwaffentestgebiete und zu alten Atomraketensilos in bewohntem Ödland des US-amerikanischen Westens. M&R sprach mit den Regisseuren Erin und Travis Wilkerson über das dystopische Szenario ihrer »Komödie über den Atomkrieg«, die Reaktionen ihrer drei Kinder und nukleare Bedrohungen in unserer Gegenwart. weiterlesen

Politische Kultur & Zeitgeist

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen

Atombombenstimmung sollte aufkommen auf dem Bebelplatz am 6. März in Berlin. Und so war Yuriy Gurzhy intensiv bemüht, sie anzuheizen. Wenn er nicht gerade an einer Kompilation mit Nationalisten aus seinem Heimatland arbeitet, die der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) – Kollaborateuren Hitlerdeutschlands im Zweiten Weltkrieg – huldigen, ist der Ukrainer Sänger und Gitarrist der keineswegs linken Band Rotfront. Gurzhy versuchte, die Teilnehmer der Kundgebung »Für eure und für unsere Freiheit« zu einem Call and Response zu animieren: »Russki korabl (Russisches Schiff) …!« schmetterte er zu stumpfem Discosound den ersten Teil eines Satzes dem Publikum entgegen, das mit dem zweiten Teil »… idi na chui (… fick dich)!« antworten sollte. […] Die wichtigste Botschaft stimmte Gurzhy einige Takte später an: »Flugverbotszone jetzt!« – objektiv eine Beschwörung des dritten Weltkriegs. weiterlesen

Aufklärung der Anständigen
Mit Karl Poppers irrationalem Rationalismus gegen Verschwörungstheorien

Der Ton wird rauer. Mit schöner Regelmäßigkeit klagen Politiker und Journalisten über die neue Rohheit im gesellschaftlichen Diskurs. Man muss sich nicht durch obskure Telegram-Gruppen klicken, um Beispiele zu finden – ein Blick in etablierte Medien reicht schon aus: Sie »vergiften Beziehungen«, »säen Hass«, »spalten die Gesellschaft« – das Übel, von dem die Rede ist, heißt »Verschwörungstheorien«. weiterlesen

Gefühlspropaganda
Zur wachsenden Bedeutung von Emotionen und Affekten in den Medien als Mittel der Manipulation

Dass Gefühle propagandistisch ausgeschlachtet werden, ist keine Neuigkeit. In Zeiten von Big Tech und »Aufmerksamkeitsökonomie« werden jedoch völlig neue Dimensionen von emotionaler Beeinflussung erschlossen, meint Megan Boler, Sozialwissenschaftlerin und Mitherausgeberin des 2021 erschienenen Bandes »Affective Politics of Digital Media« von der Universität Toronto. M&R sprach mit Boler über Techniken, Zielsetzung, Wirkung und Profiteure des manipulativen Einsatzes von Gefühlen in den Medien. weiterlesen

Standpunkte


Revolutionärer Wandel?
Progressive und konservative Theorien der »neuen« Familie – eine materialistische Kritik

Die Familie in den entwickelten kapitalistischen Ländern unterliegt einem rapiden Wandel, der im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts einsetzte und sich im 21. Jahrhundert fortsetzt. Eine der wichtigsten Veränderungen ist der Niedergang der patriarchalischen Kernfamilie und die Herausbildung einer »neuen« postnuklearen oder postmodernen Familie. Gleichzeitig verschlechtern sich die materiellen Bedingungen für die meisten Familien, die sich mit einer Reihe beängstigender Probleme konfrontiert sehen. weiterlesen
Illustration: Nachlass Arno Mohr / Andreas Wessel, 2022

Versagen der westlichen Linken: In der historischen Sackgasse
Ein Kommentar von Dmitri Kowalewitsch

Im Westen glauben viele Menschen, dass der Krieg in der Ukraine Ende Februar begonnen hat – tatsächlich dauert er aber bereits seit acht Jahren an. Er begann 2014, als Freiwilligenbataillone radikaler Nationalisten und Neonazis entsendet wurden, um die aufständischen Bewohner von Donezk und Lugansk zu bekämpfen. Viele Menschen im Donbass, in der Mehrzahl Bergleute und Metallarbeiter, lehnten vor allem den entschiedenen Antikommunismus der neuen Kiewer Regierung und die Glorifizierung ukrainischer Nazikollaborateure aus dem Zweiten Weltkrieg ab. weiterlesen

Heilsamer Schrecken, Kontraphobie und Paranoia
Klaus Ottomeyer über die großen Ängste in der spätkapitalistischen Gesellschaft

Politik werde daran gemessen, wie weit sie dem Ideal eines Lebens in der »Freiheit von Angst« gerecht wird, stellte Franklin D. Roosevelt während des Zweiten Weltkriegs fest. Daran habe sich bis heute nichts geändert, meint der Psychoanalytiker Klaus Ottomeyer. […] M&R bat ihn um eine freudomarxistische Analyse der großen Ängste in der von Krisen geschüttelten Gegenwart und sprach mit ihm über die produktive und kontraproduktive Verarbeitung von Ängsten in Kunst und Kultur. weiterlesen

Anzeigen



In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

TOP 10: OKTOBER 2022

Liederbestenliste

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 5% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop
logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

Jetzt abonnieren
flashback