Melodie & Rhythmus

Smartphones auf Live-Konzerten

25.10.2016 15:17
Foto: Martin Fisch / flickr.com / cc by-sa 2.0 (https://www. flickr.com/photos/marfis75/9439708295)

Foto: Martin Fisch / flickr.com / cc by-sa 2.0 (https://www. flickr.com/photos/marfis75/9439708295)

Legitime Momentaufnahme oder Zerstörung der Aura?

Als zuverlässiger Chronist des Alltags hat das Smartphone auch in Popmusik-Konzerte Einzug gehalten. Vielen Besuchern gilt ein Auftritt ihrer Lieblingsband als so gut wie nicht passiert, wenn er nicht mittels Handykamera festgehalten und in sozialen Netzwerken geteilt wurde. Doch längst nicht jedermann goutiert diese Praxis. Sowohl unter den Zuschauern als auch den Stars mehren sich die kritischen Stimmen. Sängerin Adele echauffierte sich unlängst in Verona über eine Frau im Publikum: »Können Sie aufhören, mich zu filmen? Denn ich stehe wirklich hier – live.« Auch andere Künstler wie Björk, Jack White oder Alicia Keys zeigen sich zunehmend entnervt über gereckte Handys und unruhiges Display-Leuchten im Auditorium. »Lasst die Telefone in eurer Tasche«, lautet die Botschaft an die Fans. Die Gründe dafür liegen weniger in der Angst vor das Urheberrecht verletzenden Bootlegs – noch 2015 ließ BMG deshalb auf Instagram veröffentlichte Videos von Janet-Jackson-Konzerten löschen –, sondern rühren aus der Sorge um die Zerstörung des Live-Ereignisse und seiner einzigartigen Atmosphäre. Wir lassen die These diskutieren:

Handy-Aufnahmen verderben das Konzerterlebnis.

Zuhören. Die stille Revolution

Das permanente Dokumentieren eines Bühnenmoments durch ein in die Höhe gerecktes Smartphone empfinde ich als störend. Es erinnert an die unsinnige Mode, wenn sich Leute im Publikum schultern, während ihnen die weiter hinten stehenden Konzertbesucher egal sind – ähnlich unangenehm übrigens wie die Sicht nehmende Regenschirme. Neben dieser äußeren Wirkung gibt es noch eine weitaus sublimere: Im Fotospeicher unserer Handys werden Konzerte zu harten Fakten. Die gesammelten Daten ersetzen nicht nur unseren persönlichen Eindruck, sondern vernichten die Möglichkeit einer nachträglichen Beschreibung, einer bunten, höchst subjektiven Geschichte unseres Musikerlebens. …

ReichmannStefan Reichmann ist Gründer und Leiter des seit 1984 veranstalteten Musikfestivals Haldern Pop am Niederrhein. Er ist Geschäftsführer der Raum 3 Konzertveranstaltungs GmbH, verantwortet das Booking für die 2009 eingeweihte Haldern Pop Bar und betreibt eine Werbeagentur. Foto: Maik Timm

Alltag einer technologischen Gesellschaft

Obwohl die Diskussion über Smartphones auf Konzerten thematisch recht neu ist, erweist sie sich im Grunde genommen als ein alter Hut. Technologischer Fortschritt existiert seit jeher, tut der Gesellschaft meistens gut, wird aber zu Anfang immer misstrauisch beäugt. Nichts anderes passiert gerade bei der vorherrschenden Debatte darüber, ob Smartphones das Erlebnis »Konzert« beieinträchtigen. Sozusagen ein alter Lowtech-Abwehrreflex gegen ein neues Hightech- Phänomen. Dabei bergen die mobilen Endgeräte vor allem für die Musikindustrie einen nicht zu verachtenden Vorteil, den man bei der ganzen Debatte nicht unter den Teppich kehren sollte: Promotion. …

azerothMarcel Azeroth studierte Economics in Jena und ist als freier Autor in Berlin tätig, u. a. für Noisey und Tech-News. Seine Schwerpunkte sind Technologien, gesellschaftlicher Wandel und Musik. Hierbei beschränkt er sich besonders auf extreme Randspielarten wie Metal und Hardcore. Foto: Nelly Hempel

Die kompletten Beiträge lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 6/2016, erhältlich ab dem 28. Oktober 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Anzeigen

Che: Die ersten Jahre

flashback
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt am Kiosk!

Anzeige Rosa-Luxemburg-Konferenz

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

M&R Aktuell

zuckermann

Deutsche Abgründe


Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner Stadt. Zu den unerwünschten Personen gehört der israelische Historiker und Sohn von Holocaust-Überlebenden Moshe Zuckermann, der in Frankfurt aufgewachsen ist. M&R bat ihn um eine Replik.

»Entscheidend ist, welche Haltung wir einnehmen«


Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus
Aus: junge Welt vom 25.03.2017, Wochenendbeilage

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop

M&R im Interview

Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Kritischer Musikjournalismus in ideologisch angespannter Zeit.

Interview lesen
 
Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Über die neu ­gestaltete Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus, Walter Ulbricht und Iron Maiden, Rock’n’Roll und Krieg, marxistische Ästhetik und Neoliberalismus, Straßen-Rap und Adorno.

Interview lesen
 
"Wir frönen nicht irgendeiner Nostalgie"
Ein politisches Musikmagazin mit DDR-Wurzeln erfindet sich neu: Melodie & Rhythmus (M&R) hat seinen Look und seine Inhalte überarbeitet. medienmilch.de sprach mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl über die Details: Interview lesen
 
• Wie sich Musik und Politik vereinbaren lassen, behandelt das Magazin “Melodie & Rhythmus” in seiner aktuellen Ausgabe. Radio F.R.E.I. hat mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl gesprochen.
Radiointerview anhören