Melodie & Rhythmus

Gegen die Normen

30.08.2016 14:55
Foto: George Holz

Foto: George Holz

Suzanne Vega widmet ihr neues Album der Literatin Carson McCullers

Interview: Dagmar Leischow

Suzanne Vega (57) ist mit Leib und Seele New Yorkerin. Auf ihrem neuen Album »Lover, Beloved: Songs from an Evening with Carson McCullers« beschäftigt sich die US-amerikanische Singer-Songwriterin mit einer anderen Künstlerin, die in dieser Metropole ihr Glück gesucht hat: der Schriftstellerin Carson McCullers. Die galt als eine der ersten Kämpferinnen für Menschen- und Bürgerrechte.

Frau Vega, die zehn Songs Ihrer neuen CD sind Teil Ihres Theaterstücks »Carson McCullers Talks About Love«. Was war die Initialzündung für dieses Projekt?

Meine Begeisterung für Carson McCullers’ Literatur. Schon als Teenager habe ich ihre Werke entdeckt. Zuerst las ich eine ihrer Kurzgeschichten, dann ihre Biografie. Danach habe ich mich mit all ihren Büchern beschäftigt. »Das Herz ist ein einsamer Jäger« wurde mein absoluter Lieblingsroman. Er entstand, als Carson McCullers noch jung war. Und beweist: Diese Autorin war ihrem Alter weit voraus. Ihre Weisheit hat mich erstaunt. Sie hat es verstanden, die Schicksale ihrer Charaktere, deren Sehnsüchte sich nicht erfüllen, grandios miteinander zu verknüpfen.

Finden Sie die Autorin selbst genauso faszinierend wie ihre Bücher?

Sie war eine Visionärin. Wenn sie heute noch am Leben wäre, würde sie als Intellektuelle gelten. Doch ihre Zeitgenossen haben ihr Genie leider nicht erkannt. Dabei war Carson McCullers eine der ersten Frauen, die über Bürgerrechte und die Kämpfe der Schwarzen in den Südstaaten geschrieben hat. Sie hat in einem ihrer Bücher den Marsch auf Washington 20 Jahre vorausgesehen.

Bräuchten die USA heutzutage jemanden wie Carson McCullers?

Unbedingt. Vergessen Sie nicht: In meiner Heimat stehen im Herbst die Präsidentschaftswahlen an. Eine Stimme der Vernunft wäre da schon angebracht. Schließlich tritt mit Donald Trump ein Kandidat an, der komplett die Kontrolle über sich verloren hat. Ich weiß nicht, wie man ihn überhaupt ernst nehmen kann. Ich werde auf jeden Fall Hillary Clinton wählen.

Trotzdem haben Sie mit »Carson’s Last Supper« einen Song geschrieben, der eher Bernie Sanders aus der Seele sprechen dürfte.

Das stimmt. Dieses Lied mutet fast schon sozialistisch an. Es handelt davon, das zu teilen, was man hat. Den Bedürftigen etwas abzugeben.

Kommt das für einen US-Amerikaner nicht einer Revolution gleich?

Carson McCullers hatte halt keine Scheu, ihren Finger in die Wunden zu legen. Sie stammte ja aus dem tiefsten Süden. Dort hat sie Schwarze gesehen, die aneinandergekettet waren und körperlich hart arbeiten mussten. Diese Beobachtungen sind dann in ihre Werke eingeflossen.

War sie in Ihren Augen eine Rebellin?

Ja. Carson McCullers hat Wert auf ihre Unabhängigkeit gelegt. Sie hatte den Mut, sich den gängigen Normen der Gesellschaft zu widersetzen.

Haben Sie sich diese Eigenschaften bei ihr abgeguckt?

Es gibt bei uns definitiv einige Parallelen. Genau wie Carson McCullers bin ich ein sehr unabhängiger Mensch. Wir beide sind nie irgendwelchen Trends gefolgt, sondern hatten stets unsere eigenen Ideale. Carson McCullers hat sich als Autorin langsam, aber stetig vorwärtsbewegt. Auch ich bin keine Senkrechtstarterin. Eine lange Karriere war mir immer wichtiger als der schnelle Erfolg.

Suzanne Vega Lover, Beloved: Songs from an Evening with Carson McCullers
Cooking Vinyl
www.suzannevega.com

Das komplette Interview lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 5/2016, erhältlich ab dem 2. September 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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