Melodie & Rhythmus

Der eigene Herzschlag

30.08.2016 14:25
Foto: Promo

Foto: Promo

Die Ju Percussion Group löst in Taiwan massenhafte Begeisterung für Perkussionsmusik aus Perkussionsmusika

Dagmar Leischow

Es regnet. Ach was, es gießt. Kaum ist man aus dem Taxi gestiegen, schon erschlägt einen förmlich bei 35 Grad subtropischer Hitze die Schwüle. Gut, dass die Zentrale der Ju Percussion Group in Taipeh eine Klimaanlage hat. In der Eingangshalle ist es bedeutend kühler als draußen. Genau wie im Fahrstuhl, mit dem es einige Stockwerke nach oben in ein helles Großraumbüro geht. An den Computern sitzen lauter junge Frauen, sie kümmern sich um die organisatorischen Dinge. Hinter ihren Schreibtischen eine Glastür, die in einen Konferenzraum mit einer Ledersitzecke führt. Dort gibt es zur Begrüßung einen Tee.

Wenig später erscheint Tzong-Ching Ju. Taiwans wohl populärster Perkussionist ist ein kleiner, stets von Innovationsdrang getriebener Mann mit sehr viel Energie und großen Plänen. Vor 30 Jahren hob er die Ju Percussion Group aus der Taufe. Mit dem Ziel, Schlagwerkmusik endlich in die Konzerthallen seiner Heimat zu bringen. »In Europa hatte ich gelernt, dass Musik ein Teil des Alltags sein kann. An diese Philosophie wollte ich meine Landsleute heranführen«, sagt Ju, der 1982 sein Perkussionsdiplom in Wien erhalten hat. Nachdem er sich dort seinen Studienplatz an der Musikakademie hart erkämpft hatte. »Mit 25 war ich den Professoren eigentlich zu alt«, erinnert er sich.

Doch Ju ließ sich nicht abwimmeln. Er kam so lange als Zuhörer in den Unterricht, bis man ihn endlich vorspielen ließ. Danach studierte er bei Walter Veigl und Richard Hochrainer. Parallel dazu ging er möglichst oft ins Konzert: »In Taipeh konnte ich nur Herbert-von-Karajan-Aufnahmen hören. In Wien erlebte ich ihn in natura auf der Bühne.« Das war ein einschneidendes Erlebnis für Jues schürte seinen Wissensdurst. Er reiste mit der Bahnkreuz und quer durch Europa, um seinen Horizont zu erweitern.

All diese Erfahrungen formten ihn als Menschen genauso wie als Musiker. Ju probierte sich auf verschiedenen Gebieten aus: Er wurde Perkussionist beim Taiwan Symphony Orchestra. Auf die Gründung der Ju Percussion Group folgte 1991 die Eröffnung der Ju Percussion Music School in Taipeh. Von 2001 bis 2004 war Ju Direktor des National Theaters und der Concert Hall. Als Präsident stand er ab 2006 für sieben Jahre der National University of Arts in Taipeh vor. Kürzlich wurde er in die Percussive Arts Society Hall of Fame aufgenommen. Weil er als Institution in der Szene gilt.

Die Ju Percussion Group tritt am Montag, den 3. Oktober im Konzerthaus Berlin auf.
Karten: 01806/570099

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 5/2016, erhältlich ab dem 2. September 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Anzeigen

Che: Die ersten Jahre

Anzeige Rosa-Luxemburg-Konferenz
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss
flashback

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

M&R Aktuell

zuckermann

Deutsche Abgründe


Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner Stadt. Zu den unerwünschten Personen gehört der israelische Historiker und Sohn von Holocaust-Überlebenden Moshe Zuckermann, der in Frankfurt aufgewachsen ist. M&R bat ihn um eine Replik.

»Entscheidend ist, welche Haltung wir einnehmen«


Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus
Aus: junge Welt vom 25.03.2017, Wochenendbeilage

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop

M&R im Interview

Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Kritischer Musikjournalismus in ideologisch angespannter Zeit.

Interview lesen
 
Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Über die neu ­gestaltete Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus, Walter Ulbricht und Iron Maiden, Rock’n’Roll und Krieg, marxistische Ästhetik und Neoliberalismus, Straßen-Rap und Adorno.

Interview lesen
 
"Wir frönen nicht irgendeiner Nostalgie"
Ein politisches Musikmagazin mit DDR-Wurzeln erfindet sich neu: Melodie & Rhythmus (M&R) hat seinen Look und seine Inhalte überarbeitet. medienmilch.de sprach mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl über die Details: Interview lesen
 
• Wie sich Musik und Politik vereinbaren lassen, behandelt das Magazin “Melodie & Rhythmus” in seiner aktuellen Ausgabe. Radio F.R.E.I. hat mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl gesprochen.
Radiointerview anhören