Melodie & Rhythmus

Wo der Mensch ein Mensch ist

14.09.2021 14:00
Jenny und Karl Marx mit einem inspirierenden Gast: dem Dichter Heinrich Heine, Zeichnung von Nikolai Schukow, 1968 Foto: Topfoto / Imago / United Archives International

Jenny und Karl Marx mit einem inspirierenden Gast: dem Dichter Heinrich Heine, Zeichnung von Nikolai Schukow, 1968
Foto: Topfoto / Imago / United Archives International

Die Marx’sche Theorie führt den Humanismus der Neuzeit weiter: Liebe ist Ausgangs- und Endpunkt einer freien Gesellschaft

Arnold Schölzel

Liebe stand am Anfang des Erwachsenen- und Publizistenlebens von Karl Marx und an dessen Ende, genauer: Die Liebe zu Jenny von Westphalen, der Frau, die sein Werk in hohem Maß mitbestimmt, ja wahrscheinlich auch mitformuliert hat. Genau lässt sich das nicht mehr ermitteln. Die Töchter des Paares haben den Briefwechsel zwischen ihren Eltern zu großen Teilen vernichtet; von Eleanor Marx ist aber der Satz überliefert, dass ihr Vater ohne Jenny von Westphalen »nie das hätte sein können, was er war«. Das korrigierende Eingreifen von Jenny Marx in die Schriften ihres Mannes bei deren Übertragung in lesbare Schrift kann an vielen Stellen nachgewiesen werden. Leider ist aber die Geschichte ihrer über fast fünf Jahrzehnte währenden leidenschaftlichen Liebe nicht so gut erforscht und dokumentiert worden, wie sie es offenkundig verdient. Ohne das Erleben dieser Beziehung, aber auch die Liebesgedichte des Studenten Marx wäre seine reife Theorie kaum vorstellbar.

Eine Parallele dazu findet sich in der lebenslangen Freundschaft des Ehepaars mit Friedrich Engels und seinen beiden Lebensgefährtinnen, irischen Arbeiterinnen. Lenin verglich die Verbindung zwischen Marx und Engels nach dessen Tod 1895 mit den Berichten »antiker Sagen« über Freundschaften. Der schon im 19. Jahrhundert kolportierte Klatsch über Missgunst und Verachtung vor allem Jennys gegenüber der 1863 mit 40 verstorbenen Mary Burns und gegenüber Lydia Burns, die Engels noch einen Tag vor ihrem Tod am 11. September 1878 geheiratet hatte, ist längst als Beitrag zur immer wieder gut dotierten Marx-Töterei entlarvt und widerlegt worden. Beide waren auch Teil der Familie Marx, die ihre Kinder in den Ferien bei ihnen in Obhut gab.

Doch liberale Feministinnen wie Margarete Mitscherlich folgen unverdrossen den 170 Jahre alten Gerüchten und Klischees. …

Der komplette Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 4/2021, erhältlich ab dem 17. September 2021 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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