Melodie & Rhythmus

»Warten auf die Barbaren«

14.09.2021 14:30
Vor dem Flughafen Kabul, 20. August 2021 (links), Nach dem US-Drohnenangriff mit zehn toten Zivilisten, Kabul, 29. August 2021 (rechts) Fotos (collage): Imago-Images / Bashir Darwish, Lance Cpl. Nicholas Guevara

Vor dem Flughafen Kabul, 20. August 2021 (links) / Nach dem US-Drohnenangriff mit zehn toten Zivilisten, Kabul, 29. August 2021 (rechts)
Fotos (Collage): Imago-Images / Bashir Darwish, Lance Cpl. Nicholas Guevara

Der Siegeszug der Taliban beflügelt den Islamhass und menschenrechtsimperialistische Begehrlichkeiten

Susann Witt-Stahl

In den vergangenen Monaten überschlugen sich die Horrornachrichten aus Afghanistan. Einen Höhepunkt bildete ein Selbstmordattentat am 26. August von Kämpfern des Islamischen Staats Khorasan (ISK) mit weit über hundert Toten, darunter auch 13 US-amerikanische Soldaten. Der Racheschwur des US-Präsidenten – »Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen« – erinnerte nicht zufällig an George W. Bushs mittlerweile historische Rede nach dem Anschlag auf das WTC vom 11. September vor 20 Jahren, in der er einen Vergeltungsfeldzug angekündigt hatte, »wie wir ihn bislang noch nicht erlebt haben«. Obwohl drei Tage später bei einem von Joe Biden befohlenen Drohnenangriff der USA zehn Zivilisten, inklusive sechs Kinder, starben, schlug vor allem hierzulande kurzzeitig wieder eine mit moralischer Hysterie aufgeladene Interventionsstimmung durch, mit der jede halbwegs nüchterne Betrachtung der Genealogie des Terrors in dem vom jahrzehntelangen Dauerkriegszustand zerschundenen Land als Hochverrat an den irrtümlich mit Humanismus identifizierten westlichen Werten denunziert wurde.

Der »War on Terror« in Afghanistan, der am 7. Oktober 2001 begonnen hatte, hat bis heute Hunderttausende von Zivilisten das Leben gekostet (die UN-Mission, die die Opferzahlen erst seit zwölf Jahren dokumentiert, gibt allein für den Zeitraum 2009 bis Ende 2020 111.000 Tote an). Während des auf mehreren Ebenen völkerrechtswidrigen Angriffskriegs des Westens wurden auf der Guantanamo Bay Naval Base auf Kuba, aber auch auf afghanischem Gebiet, etwa in Bagram, der größten US-Militärbasis in Afghanistan, und in Kandahar, Foltergefängnisse errichtet, ganze Dörfer durch Luftschläge ausradiert und unzählige, meist an den Kampfhandlungen unbeteiligte Menschen durch Drohnenangriffe getötet – afghanische Mädchen durften nicht mehr von der Schulbildung ausgeschlossen, sehr wohl aber von NATOBomben zerfetzt werden. …

Der komplette Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 4/2021, erhältlich ab dem 17. September 2021 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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