Melodie & Rhythmus

»Jeder hatte plötzlich die Chance, Musik zu machen«

26.06.2012 10:51
Schwerpunkt: Die glorreichen Achtziger

Midge Ure

Midge Ure war der kreative Kopf bei Ultravox und Visage. Er drehte Musikvideos für MTV und organisierte mit Bob Geldof »Live Aid«. Im Interview erinnert er sich an die achtziger Jahre
Interview: Dagmar Leischow, Fotos: Santiago Flores

Typisch London: Es nieselt, der Himmel hat sich in einem dunklen Grau eingetrübt, mit verkniffenen Gesichtern eilen die Menschen über die Kensington High Street. Für Sänger Midge Ure, 58, ist das indes kein Grund, Trübsal zu blasen. Ganz in Schwarz gekleidet sitzt der Schotte, der heute im englischen Ort Box wohnt, auf einem Ledersofa im Büro seiner Plattenfirma. Er entpuppt sich als äußerst eloquent, zumal er viel zu erzählen hat. Zum Beispiel über die große Zeit seiner Band Ultravox in den 80ern. Mit Hits wie »Vienna« oder »Dancing With Tears In My Eyes« eroberte sie die Charts. Bis sie sich 1988 auflöste.

2008 tat sich das Quartett schließlich wieder zusammen. Es präsentierte seine alten Lieder live, eine realistische Chance auf neue Songs sah Ure damals allerdings nicht. Offenbar hat er inzwischen seine Meinung geändert, wie das jüngste Ultravox-Album »Brilliant« beweist. Mal klingt es achtzigerjahremäßig, mal ist es musikalisch fest im Hier und Jetzt verwurzelt. Inhaltlich stellt sich die CD ziemlich breit auf. In »Lie« setzt sich der Vater von vier Töchtern mit Bigotterie auseinander, »Contact« beschwört das Bild eines einsamen Menschen herauf, der vor seinem Mobiltelefon sitzt und vergeblich auf eine Nachricht wartet, weil er jenseits der Internetwelt längst keine realen Freunde mehr hat.

Mr. Ure, wollen Sie mit Ihrer Comeback-CD »Brilliant« einen Bogen zu den achtziger Jahren schlagen?
Nicht bewusst. Aber wenn wir vier als Ultravox zusammenkommen, entsteht automatisch ein für uns typisches Klangmuster. Trotzdem: Wir haben nicht mit denselben Synthesizern oder Gitarren wie früher gearbeitet, sondern einen richtigen Neustart gemacht. Insofern empfinde ich unseren Sound durchaus als zeitgemäß.
Die Songs sind frisch und modern.

Wobei eines Ihrer Lieder »Remembering« heißt. Erinnern Sie sich darin an Ihre eigene Vergangenheit?
Kennen Sie John Lennons Song »In My Life«? Mich haben vor allem die ersten Sätze beeindruckt: »There Are Places I‘ll Remember All My Life/Though Some Have Changed/Some Forever, Not For Better.« Für mich ist das ein eindringliches Bild dafür, wie schnell sich die Welt um uns herum verändert. Wer sich zum Beispiel mit alten Schulfreunden trifft, erlebt oft eine bitterböse Enttäuschung. Weil das eben nicht mehr die Menschen sind, die man aus Kindertagen kannte. Solche Phänomene haben »Remembering« inspiriert.

Hatten Sie ein ganz ähnliches Gefühl, als Sie Ultravox wiedervereinigt haben?
Jein. Wir waren eher positiv überrascht. Denn aus den impulsiven Hitzköpfen von einst sind inzwischen reife, tolerante Männer geworden. Vor 30 Jahren wollte keiner auch nur einen Millimeter von seinen Vorstellungen abrücken. Jeder glaubte, dass nur er wüsste, was wirklich gut für die Band wäre. Unsere Egos waren riesengroß, deswegen haben wir uns oft gestritten.

Ist das jetzt völlig anders?
Klar, wir sind nicht immer einer Meinung. Aber wir diskutieren lieber in aller Ruhe, statt uns lautstarke Wortgefechte zu liefern. Zumal wir eine ziemlich klare Arbeitsteilung haben. Jeder betreut quasi seinen eigenen Bereich. Unser Keyboarder Billy Currie etwa zeichnet für die Struktur der Akkorde verantwortlich. Schließlich hat er eine klassische Ausbildung.

Das komplette Interview lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 4/2012, erhältlich ab dem 29. Juni 2012 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch hier bestellen.

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