Melodie & Rhythmus

An der Kette des Marktes

23.06.2020 14:57
Foto: Reuters / Robert Sullivan

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Kunst – Vom natürlichen Bedürfnis zur Parallelwährung und kulturellen Grundlage kapitalistischer Machtausübung

Andreas Wessel

In der herrschenden Kunstwissenschaft kriselt es seit Längerem. Ihre ohnehin seit Anbeginn porösen Grundlagen bröckeln zusehends, der unaufhaltsam fortschreitende geistige Verfall kann nur noch mühsam kaschiert werden. Die dazu nötige »heiße Luft« produziert unter Volldampf ein Klüngel aus marktkonformen Künstlern, Großsammlern, Millionen bewegenden Auktionshäusern und Galerien, Museumskuratoren, fest angestellten Lohnschreibern und Universitätsdozenten. Nachdem der Schönheitsbegriff ausgehöhlt und selbst mit seiner Negation keine wissenschaftliche Reputation mehr aufzubauen war, wurde die ganze Ästhetik gleich mit suspendiert und die Selbstauflösung der Kunst inszeniert. Da man sich nicht mehr in der Lage sieht, mit der bürgerlichen Theorie etwas Sinnvolles über Kunst zu sagen, behauptet man wortreich deren Unerklärbarkeit.

Nicht dass dies die Beteiligten irgendwie in ihrem Tun stören würde – der Rubel rollt und will weiter angelegt werden. Der studierte Großsammler hat seinen Immanuel Kant ohnehin nur bis zu der Stelle gelesen, wo Kunst mit der Forderung nach »interesselosem Wohlgefallen« kurzgeschlossen wird. Und ist es nicht eine angenehm wärmende Vorstellung für das Kapitalistenherz, sich nach getaner Ausbeutungsschinderei mit einem guten Glas Wein an seiner Sammlung zu delektieren, die ihn nicht nur als allseitig gebildeten Humanisten, sondern auch als Mäzen der Künstler ausweist? Manchmal holt man sich auch einige der undankbaren Hungerleider zur Gaudi der Gastgesellschaft ins Haus, wo sie dann mit ihrer bohemehaften Selbstinszenierung dem Abend die rechte Würze verleihen.

Der komplette Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 2/2020, erhältlich ab dem 26. Juni 2020 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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