Melodie & Rhythmus

Vier Wochen Session

23.04.2013 14:15

elias

Aus der Einöde Oklahomas in den Avocado-Hain bei Granada: elias aus Köpenick starten durch
Text: Christoph Schrag, Foto: Bastian Fischer

Ausgerechnet Oklahoma. Und das ein ganzes Jahr lang. Nicht wenige 15-Jährige wären komplett verzweifelt angesichts solcher Aussichten auf nordamerikanische Einöde ohne Führerschein und Auto. Aber Elias Hadjeus aus Berlin machte das Beste aus dem Panorama der Langeweile seiner Austauschzeit: Er schnappte sich einen Stift und eine Gitarre und schrieb Musik. Auf dem Weg zurück nach Köpenick hatte er Übergepäck – einen Haufen guter Songs. Genug, um eine Band zu gründen. Elias & The Animals Orchestra.

Die Band begann als große, bunte Truppe aus Schulfreunden. Mit Backgroundsängerin und Didgeridoo als Exotenbonus. Die Musik tanzte leichtfüßig um die Akustikgitarre herum und hatte schon damals nichts mit bloßer Vertonung von Singer/Songwriter-Einsamkeit zu tun. Im Gegenteil – Elias und sein Orchester wollten Spaß. Und das zu Texten auf Englisch, denen man anhörte, dass Elias Hadjeus sie direkt aus den USA importiert hatte. Dabei waren seine Themen international: Mädchen und Erwachsenwerden.

Drei Jahre ist dieser wilde Startschuss her. Die große Truppe ist seitdem zur festen fünfköpfigen Band elias zusammengewachsen, auf die seit kurzem sogar eine der ganz großen Plattenfirmen setzt. Auf dem Weg dahin haben elias die englischen Texte gegen deutsche getauscht, zwei EPs aufgenommen, Newcomer-Wettbewerbe gewonnen, das Reeperbahnfestival geentert, auf weibliche Backgroundgesänge verzichtet, ihren Didgeridoo- Spieler an eine Schauspielkarriere verloren und den Zusatz Animals Orchestra gestrichen. Der war einfach zu kompliziert für Fans und Presse.

Vor kurzem nun nahmen elias ihr erstes Album auf. Nicht einfach so, sondern in einer vierwöchigen Session im spanischen Küstenort Motril bei Granada. Dort, zwischen Orangen- und Avocadoplantagen durften sie wohnen und jederzeit arbeiten, immer alle zusammen. Auch Leute wie Clueso oder Max Herre kamen auf diese Weise in eben jenem malerisch gelegenen Studio gute Ideen für ihre letzten Alben. Kein Wunder, wenn einem dort selbst der Wunsch, das Schlagzeug einfach unter freiem Himmel aufzunehmen, nicht ausgeschlagen wird. Der Sound kommt doch dabei so schön unverfälscht auf die Platte, und der Sound ist eben neben der kreativen Freiheit im Avocado-Hain das wichtigste.

Auch wenn elias noch nicht genau wissen, was der große Apparat »Plattenfirma« mit ihnen anstellen wird, sind sie sehr gespannt auf die nächste Zukunft. Bis vor kurzem sind sie schon mal mit Lukas Graham auf Tour gewesen und durften sich so einem größeren Publikum vorstellen. Ihr Debütalbum kommt noch im Sommer auf den Markt. Wenn man bedenkt, dass Elias selbst gerade erst 21 geworden ist, dann darf man schon von einem vielversprechenden Schnellstart sprechen. Wenn Elias das vor Jahren in Oklahoma gewusst hätte – er hätte wohl alles genauso gemacht.

elias Kaputt (EP)
Island
www.wirsindelias.de

Der Beitrag erscheint in der Melodie&Rhythmus 3/2013, erhältlich ab dem 26. April 2013 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im M&R-Shop. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Termin:
Am 16. Mai treten elias gemeinsam mit Lisa Who und Jim Kroft beim M&R-Konzert auf:
Melodie&Rhythmus Live im Maschinenhaus der Kulturbrauerei Berlin, weitere Infos

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