Melodie & Rhythmus

Lustvoll gegen Gedankenfaulheit

10.03.2020 14:43
Foto: Brikettfilm

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Claus von Wagner über geahnte und ungeahnte Möglichkeiten von Kabarett und Satire

Interview: John Lütten

»Die Anstalt« gilt heute als eine der letzten Bastionen von Gesellschaftskritik und Nonkonformismus in den öffentlich-rechtlichen Medien. Seit 2014 traktiert Claus von Wagner − im Konzert mit seinem kongenialen Kollegen Max Uthoff − in der preisgekrönten ZDF-Kabarettsendung den herrschenden Zeitgeist mit gnadenloser Politsatire. Erfolgreich ist der gebürtige Bayer aber auch mit seinem Soloprogramm »Theorie der feinen Menschen«, mit dem er bereits seit acht Jahren durch die Lande tourt. M&R traf Claus von Wagner vor einem Auftritt in Leipzig und sprach mit ihm über die Freude am Angriff, Fluch und Segen der Satire als Kunstform – und seine Gründe, auch angesichts des totalen Marktes den Humor nicht zu verlieren.

Herr von Wagner, dem Bayerischen Rundfunk haben Sie einmal verraten, dass Sie mit Kabarett und Satire angefangen haben, um sich zu wehren. Tun Sie das immer noch, oder greifen Sie jetzt an?

Beides! Erst einmal ist es ein Privileg, mit dem Kabarett eine Plattform zu haben, über die man auch mal zivilisiert austeilen kann. Ich versuche das fundiert und mithilfe von Fakten zu tun. Wenn wir in der »Anstalt« etwa Verkehrsminister Andreas Scheuer auf die Schippe nehmen, dann wollen wir ihn nicht als Person verächtlich machen, sondern seine Politik kritisieren. Wogegen ich mich nach wie vor wehre, ist Gedankenfaulheit. Nehmen Sie nur diese sogenannten Klimaleugner – neulich kam jemand nach einem Auftritt zu mir und sagte wörtlich: »Nä. An das mit dem CO2 glaub’ ich nicht so.« Guter Debattenbeitrag, nicht? Gegen solche Entwicklungen zum Irrationalen im öffentlichen Diskurs muss man das kritische Denken immer wieder verteidigen.

Ihr Bühnenprogramm »Theorie der feinen Menschen« ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Banken- und Finanzindustrie aus Sicht des sogenannten kleinen Mannes. Sie führen es schon seit 2012 auf – weil sich nichts geändert hat?

Im Finanzbereich zumindest nicht allzu viel. Das Stück entstand inmitten der Bankenkrise, sein Inhalt – der Handel mit Derivaten und die Arbeit von Ratingagenturen zum Beispiel – ist aber immer noch aktuell. Außerdem überprüfe ich regelmäßig, ob alles noch stimmt, überarbeite das und stelle aktuelle Bezüge her. Etwa zur Klimakrise. Wussten Sie, dass die weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 2009 – zur Hochzeit der Finanzkrise – um einiges zurückgegangen sind? Man könnte fast sagen: Die Finanzkrise war, zumindest kurzfristig, gelebter Klimaschutz. Im Kern hat das Programm aber eine klare Dramaturgie – es geht ja auch um eine Vater-Sohn-Beziehung –, die muss man natürlich weitestgehend erhalten.

Nun sind ja die Krisenjahre angeblich vorbei: Gemäß Statistik ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf einem Tiefststand, die Wirtschaft wächst, und womöglich wird bald sogar der Mindestlohn angehoben. Also, Problem gelöst …

Stimmt. Eigentlich ist alles prima, oder [grinst]? Der Trick bei solchen Darstellungen ist, die Zusammenhänge hinter großen Zahlen zu verbergen und zu verkünden: Wir haben viel erreicht. …

Das komplette Interview erscheint in der Melodie & Rhythmus 2/2020, erhältlich ab dem 13. März 2020 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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