Melodie & Rhythmus

Versteinerte Mephistos

29.03.2017 14:57
Foto:Son of Groucho / flickr.com / CC by 2.0 (https://www.flickr.com/photos/sonofgroucho/5823670108)

Foto:Son of Groucho / flickr.com / CC by 2.0 (https://www.flickr.com/photos/sonofgroucho/5823670108)

Der Schauspieler Rolf Becker und der Historiker Moshe Zuckermann über aktuelle Faschisierungstendenzen in der (politischen) Kultur Deutschlands und Israels

Agenda Aufklärung wider den reaktionären Zeitgeist: M&R gibt sich die Ehre und bittet Intellektuelle mit gleichen emanzipativen Positionen, aber verschiedenen gesellschaftlichen, historischen, kulturellen Perspektiven und Erfahrungen zum Kritischen Duett.

becker-zuckermannMoshe Zuckermann (MZ): In Israel finden Zensurmaßnahmen gegen Regierungskritiker statt. Was mich dabei interessiert, ist die Beobachtung, dass die Annahme, im Kapitalismus bedürfe es nicht mehr der offenen, rigorosen Bekämpfung unliebsamer kultureller Kritik, weil auch diese nahtlos in das System integrierbar ist, offenbar nicht mehr ganz stimmt. Jüngst hat Kulturministerin Miri Regev den Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat aufgefordert, einen Auftritt von Breaking the Silence (eine Organisation, die mit Hilfe von anonymen Zeugenaussagen israelischer Soldaten Menschenrechtsverletzungen des Besatzungsregimes öffentlich macht) in einer Galerie zu unterbinden. Wäre dies in Deutschland heute möglich – ich meine die ganz und gar unverhohlene Zensurintervention »von oben«?

Rolf Becker (RB): Zensurmaßnahmen staatlicherseits erübrigen sich bislang in der BRD. Der Grund: Die Mehrzahl der bürgerlichen Medien ist ohne Druck von oben so weit auf Regierungslinie eingeschwenkt, dass Maßnahmen wie vormals mit der »Gleichschaltung« unnötig sind (sollte sich infolge politischer Verwerfungen daran etwas ändern, gibt es die 1968 verabschiedeten Notstandsgesetze). Breaking the Silence ist zwar auch hierzulande umstritten, Absagen ihrer Veranstaltungen erfolgen aber auf Druck der israelischen Regierung oder von Organisationen, die sich an ihren Vorgaben orientieren, werden also nicht verordnet. Zensurmaßnahmen im kulturellen Bereich wüsste ich auch nicht zu nennen – wohl aber Selbstzensur, die wie selbstverständlich dem Mainstream folgt.

MZ: Ja, die vorauseilende Selbstbeschränkung der Medien und vieler Kulturinstitutionen kennen wir auch hier in Israel. …

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie & Rhythmus 2/2017, erhältlich ab dem 31. März 2017 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

Jetzt abonnieren

Stellenausschreibung

Die Verlag 8. Mai GmbH sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen

Kulturredakteur (m/w/d)

in Voll- oder Teilzeit.
Liederbestenliste
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Verkaufsstelle finden

Kiosk finden

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop
Jetzt abonnieren
Anzeige junge Welt

Berichte von der Künstler-Konferenz

123314 Linke Hochkultur
Das war die Künstlerkonferenz der Zeitschrift Melodie & Rhythmus am vergangenen Sonnabend in Berlin
jW, 15.06.2019
Großartiges schaffen
Die Organisation der M&R-Künstlerkonferenz in Berlin war eine immense Kraftanstrengung
jW, 15.06.2019
»Nie wieder schweigen«
Rechtsruck, widerständige Kunst, Erinnerungskultur: jW-Bericht von der Künstlerkonferenz von Melodie & Rhythmus am Samstag im Heimathafen Berlin-Neukölln
jW, 11.06.2019
M&R-Künstlerkonferenz eröffnet
Eindrücke vom Auftakt im Berliner »Heimathafen Neukölln«
jW, 08.06.2019
»Wehe dem, der mit einfachen Worten die Wahrheit sagt!«
Am Vormittag der Melodie & Rhythmus-Künstlerkonferenz wurde über Rechtsruck und Medienmacht diskutiert
jW, 08.06.2019
Kunst als Ware und Nicht-Ware
Der zweite Teil der Künstlerkonferenz von Melodie & Rhythmus drehte sich um Konformes und Widerständiges in der Kunst
jW, 08.06.2019
»Nie wieder Schweigen!«
Das vierte und letzte Podium der Künstlerkonferenz befasste sich mit Erinnerungskultur.
jW, 08.06.2019
flashback