Melodie & Rhythmus

Vorführung des Unerträglichen

22.02.2016 15:50
Illustration: Eva Schönfeld

Illustration: Eva Schönfeld

»Mein Kampf«, gelesen von Helmut Qualtinger, entlarvt – aber als nun wieder aufgelegtes Buch verstellt es den Blick auf die Ursachen des Faschismus

Gerd Schumann

Ich erinnere mich an Helmut Qualtinger (1928–1986). Physisch imposant fläzte er sich auf die Bühne des Hamburger Thalia-Theaters, den Lockenkopf mit der Hand abgestützt. Das muss 1973 gewesen sein. Wir, damals noch junge Gewerkschaftsaktivisten aus der Provinz, wollten mit ihm über seine Inszenierung von Franz Xaver Kroetz‘ Stück »Oberösterreich« diskutieren, also über die Entfremdung des Individuums von sich selbst, bewirkt durch die unsoziale Umgebung, die es abstumpfen lässt und vereinzelt, bis es sich rat- und hilfl os den Verhältnissen ergibt. Qualtinger, der geniale Nörgler und barsche Kritiker menschlichen Kleingeists, ließ sich nicht darauf ein: Ihn interessierten nicht die Ursachen, sondern die Folgen. Uns war das zu wenig.

Wie auch sein Skandalauftritt im selben Jahr auf derselben Bühne, als er in einer furiosen Lesung das damals verbotene Buch »Mein Kampf« vortrug: Das reicht nicht, meinten wir, um zum Wesen des Faschismus vorzudringen. Doch gelang es Qualtinger, die monströsen Versatzstücke, aus denen der Autor Adolf Hitler 1924 in Festungshaft die Nazi-Ideologie zu einem rassistischen, hetzerischen, unfassbar platten und zugleich furchterregenden Konstrukt zusammengefügt hatte, zu sezieren: Indem er deren Unerträglichkeit vorführte, drängte er die Zuhörenden dazu, sich zu schaudern, vielleicht sogar vor sich selbst oder doch zumindest den Vorfahren, die dem erbärmlichen Autoren auf den Leim gegangen waren. Wie nur? …

Helmut Qualtinger liest »Mein Kampf«
filmedition suhrkamp
ISBN: 978-3-89848-579-1

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 2/2016, erhältlich ab dem 26. Februar 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Anzeigen

Che: Die ersten Jahre

flashback
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt am Kiosk!

Anzeige Rosa-Luxemburg-Konferenz

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

M&R Aktuell

zuckermann

Deutsche Abgründe


Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner Stadt. Zu den unerwünschten Personen gehört der israelische Historiker und Sohn von Holocaust-Überlebenden Moshe Zuckermann, der in Frankfurt aufgewachsen ist. M&R bat ihn um eine Replik.

»Entscheidend ist, welche Haltung wir einnehmen«


Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus
Aus: junge Welt vom 25.03.2017, Wochenendbeilage

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop

M&R im Interview

Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Kritischer Musikjournalismus in ideologisch angespannter Zeit.

Interview lesen
 
Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Über die neu ­gestaltete Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus, Walter Ulbricht und Iron Maiden, Rock’n’Roll und Krieg, marxistische Ästhetik und Neoliberalismus, Straßen-Rap und Adorno.

Interview lesen
 
"Wir frönen nicht irgendeiner Nostalgie"
Ein politisches Musikmagazin mit DDR-Wurzeln erfindet sich neu: Melodie & Rhythmus (M&R) hat seinen Look und seine Inhalte überarbeitet. medienmilch.de sprach mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl über die Details: Interview lesen
 
• Wie sich Musik und Politik vereinbaren lassen, behandelt das Magazin “Melodie & Rhythmus” in seiner aktuellen Ausgabe. Radio F.R.E.I. hat mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl gesprochen.
Radiointerview anhören