Melodie & Rhythmus

Analyse: Zager and Evans – »In the Year 2525«

22.02.2016 15:10
Fotos (Montage): Bert Kaufmann / flickr.com / cc by-sa 2.0 https://www.flickr.com/photos/22746515@n02/7667877008

Fotos (Montage): Bert Kaufmann / flickr.com / cc by-sa 2.0 https://www.flickr.com/photos/22746515@n02/7667877008

Konsumierbarmachung von Entsetzlichem

Die 60s waren ein Jahrzehnt des Aufbruchs, wie man weiß. Was Elterngenerationen angerichtet hatten, galt einer gesamten Jugendkultur als Vorlage für eine geschärfte kritische Reflexion über Historisches und Bestehendes und für einen freiheitlich ausgerichteten Gegenentwurf. Manchmal entstanden dabei eingängige Parolen wie »Make love, not war«, zuweilen auch Wütendes (»Don’t criticize what you don’t understand«), meistens aber alternative Lebensvorstellungen und Visionen einer besseren Welt. Natürlich gab es auch viel Banales, besonders im Bereich der Liebeszweisamkeit, in welchem sich oft genug nur leicht gewandelte bürgerliche Ideale niederschlugen. Wenige Popsongs jenes Jahrzehnts hatten eine dezidiert formulierte Dystopie zum Inhalt – Zukunftsvisionen verlangten ja Positives, insofern jüngst Vergangenes und das aktuell Bestehende als kritikwürdig aufgefasst wurden.

»In the Year 2525«, 1969 von dem Duo Zager and Evans veröffentlicht, war ein solcher dystopischer Song, der seine Hitqualität von seiner bemerkenswerten Aussage, vor allem aber von seiner eingängigen Melodie und der sie formierenden, in der damaligen Popmusik gebräuchlichen Beatrhythmik bezog. Im Text geht es um apokalyptische Zukunftsvisionen, die in Jahrtausendsprüngen ein von übertechnologisierter Lebenspraxis, vom Verlust sinnlicher Erfahrungsfähigkeit und authentischer Menschlichkeit sowie von grenzenloser Naturausbeutung geprägtes, immer horrenderes Bild der Conditio humana zeichnen.

Moshe Zuckermann AnalyseMoshe Zuckermann ist Kunsttheoretiker und lehrt an der Universität Tel Aviv (u. a. Kritische Theorie). Er hat diverse Bücher und Aufsätze über Kunstautonomie und zur Kulturindustriethese von Theodor W. Adorno veröffentlicht. Darunter »Kunst und Publikum. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner gesellschaftlichen Hintergehbarkeit«. In den 1970er-Jahren war er als Komponist und Arrangeur tätig. Foto: Arne List

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 2/2016, erhältlich ab dem 26. Februar 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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