Melodie & Rhythmus

Den Tieren eine Stimme geben

24.02.2015 14:01

Konferenz

titelMusiker fordern ein Ende des Schlachtens

In den 1980er-Jahren waren erste, deutlich hörbare Impulse zu vernehmen, den Tieren auch musikalisch eine Stimme zu geben. Seitdem hat sich vieles getan. Heute gilt Veganismus nicht mehr nur als eine Form des Protests einiger versprengter Außenseiter. Als Lebensform erscheint er, auch angesichts der ökologischen Krise unserer Zeit, einer wachsenden Zahl von Menschen als zukunftsweisend, ja geradezu alternativlos. Diese Haltung findet auch in der Kunst und Kultur unserer Zeit Ausdruck. Inzwischen engagiert sich genreübergreifend eine Vielzahl von Musikern für Tierschutz, Tierrechte oder Tierbefreiung. An empirischem Material für die künstlerische Auseinandersetzung mit der geschundenen Kreatur mangelt es wahrlich nicht: Das Gros der Tiere fristet ein elendes Dasein in den schmutzigsten Verliesen des kapitalistischen Gesellschaftsbaus. Musikern, die den Blick von den Abgründen unserer Zivilisation nicht abwenden, ist nicht selten der Appetit auf Fleisch und andere Tierprodukte vergangen. Manche haben sogar die Forderung nach einem Ende des Schlachtens zu einem ihrer zentralen Anliegen gemacht.

M&R hat einige von ihnen nach ihrer persönlichen Sicht der Dinge gefragt.

Die Statements von Adam Sherburne, Amanda Rogers, Maik Weichert, Albino, Lance Ryan, Wick Bambix, Glen Johnson, Masami Akita und Enrico zum Thema lesen Sie in der M&R 2/2015, erhältlich ab dem 27. Februar 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Die Resonanz der angefragten Musiker war unerwartet gut. Im Folgenden dokumentieren wir die Statements, für die sich in der Printausgabe kein Platz mehr fand:

Berge

Pop-Rock-Duo aus Berlin
Berge
Wir sind keine Tierschützer oder Aktivisten, wir machen einfach Musik. Durch schockierende Videos aber wurden wir zum Umdenken angeregt, so dass wir unbedingt einen Song zum Thema schreiben mussten. Fakten dazu bekommt man überall, aber wir wollten, dass man endlich auch mal ein Gefühl für das Leid der Tiere bekommt. Deswegen haben wir ihnen mit »10.000 Tränen« eine Stimme gegeben. Tierquälerei steht für uns stellvertretend für jegliches Leiden von Schwächeren und Unterdrückten auf dieser Welt. Eigentlich ist das Lied so etwas wie eine Hymne für mehr Mitgefühl und Menschlichkeit. Wir dürfen nicht länger wegsehen, und als Musiker haben wir natürlich eine gute Möglichkeit, den Dingen, die uns wichtig sind, Ausdruck zu verleihen.

Berge: 10.000 Tränen
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=IS_mantk3tA?hl=en"><img src="http://www.melodieundrhythmus.com/wp-content/plugins/images/play-tub.png" alt="Play" style="border:0px;" /></a>

Sebastian Reichl

Mitglied der deutschen Melodic-Death-Metal-Band Deadlock
Deadlock
Wir sind eine Band, die sich für die Rechte der Tiere in Text und Tat aus einer altruistischen Haltung heraus einsetzt. Eins ist vollkommen klar: Tierrechte sind zwar realpolitisch nicht umsetzbar, und nichtmenschliche Tiere können ihre Rechte in einem menschlichen Rechtssystem nicht erstreiten, aber wir Menschen können uns als am weitesten entwickeltes Lebewesen auf dieser Erde das Ziel setzen, aus unserer Stärke heraus jedes Leben, so gut es uns gelingt, zu schützen und zu erhalten. Wir können das Leid der Tiere und der Menschen reduzieren und sollten das auch tun. Unsere Gesellschaft auf eine Stufe zu heben, auf der weniger Gewalt angewendet wird, bedingt ja den Frieden mit uns selbst, mit all unseren irdischen Mitbewohnern und mit unserem Planeten.

Markus Meißner

Sänger der 1995 als Punk-Band gegründeten Kafkas
Kafkas
Ich hatte eine Dokumentation über Schlachthäuser gesehen. Die Bilder schockten mich, und ich wollte kein Fleisch mehr essen. Wüssten mehr Menschen von den Zuständen in der Tierhaltung, gäbe es wesentlich mehr Vegetarier. Ich möchte selber ein gutes, langes und schmerzfreies Leben führen. Diesen Wunsch und dieses Grundrecht will ich anderen Lebewesen nicht absprechen. Es gibt in unserer industrialisierten Gesellschaft einfach keine Notwendigkeit mehr, weiterhin Fleisch zu essen, aber es gibt viele gute Gründe, damit aufzuhören. Und wenn wir Tiere mit Würde behandeln, hat das auch positive Auswirkungen auf andere gesellschaftliche Bereiche – schließlich repräsentiert das Verhältnis zu den Tieren unseren Umgang mit den Schwächsten der Gesellschaft.

Wolfdown

Hardcore-Band aus dem Ruhrgebiet
Wolfdown
Wir leben vegan und sehen uns als Teil einer kämpfenden Bewegung für eine emanzipierte, herrschaftsfreie Gesellschaft. Wir nutzen die Musik, um unsere eigene Stimme hörbar zu machen und denen eine zu geben, die keine haben. Tiere leben in sozialen Zusammenhängen, haben Familien, fühlen Schmerz und Angst. Sie existieren um ihrer selbst willen, so wie wir. Tiere wollen leben. Sie sind keine Fleischlieferanten, keine Versuchsobjekte, keine Milchmaschinen, keine Unterhaltungsspielzeuge. Nichts kann rechtfertigen, dass sie für menschliche Interessen systematisch und mit dem barbarischen Kalkül einer auf Profitmaximierung ausgelegten Industrie zur Ware gemacht werden. Wir sind gegen jede Form der Tierausbeutung – bis jeder Käfig leer ist!

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