Melodie & Rhythmus

Revolutionäre Impulse

25.02.2014 12:50

FaustM&R vor dem Neustart
Text: Susann Witt-Stahl

Pünktlich zum internationalen Kampftag der Arbeiterbewegung werden die M&R-Leser Heft 3/2014 in Händen halten. Für einen zum 1. Mai anberaumten Relaunch eines Pop-Magazins, das sich zukünftig kritischer, politischer, näher am Zeitgeschehen positionieren und sich in Kulturdebatten einmischen wird, ist das Titelthema natürlich längst gesetzt: »Class War«. Klassenkampf geht nicht ohne »Talkin‘ Bout a Revolution!«: Unter diesem Titel werden wir in der Relaunch-Ausgabe die Top Ten der wichtigsten Revolutionssongs präsentieren, die unsere Leser per Abstimmung ermitteln. Noch bleibt genügend Zeit, ein Votum abzugeben. Per Post oder per Mausklick auf der M&R-Homepage. Am 18. März ist Einsendeschluss.

Aber wir wollen nicht nur ein Lied davon singen (lassen). Wir werden auch faktenreich und anschaulich zeigen, dass die Geschichte aller bisheriger Popkultur die Geschichte von Klassenkämpfen ist (um es einmal mit Worten auszudrücken, die in einem historisch bedeutsamen Manifest nachzulesen sind), auf allen Ebenen, in allen Bereichen – und Sparten: Vom modernen Rap über die Oi-Musik Anfang der 1980er-Jahre bis zurück ins 19. Jahrhundert zu Heinrich Heines »Weberlied«.

Ein Leitgedanke der neuen M&R ab der nächsten Ausgabe: Populäre Musik kann Träger revolutionärer Impulse sein. Bevor Blues, Rock’n’Roll und andere Pop- Genres zwangsdomestiziert und in Verwertungskreisläufe integriert wurden (ein Prozess, der sich unentwegt wiederholt), waren sie Waffen der Geknechteten im Klassenkampf. Diese Erkenntnis will M&R wieder aufrufen. Wir möchten kritische Künstler, Bands – alle, die Musik lieben, ihre vitalen Kräfte daraus schöpfen und sich nicht zu einem willenlosen Konsumenten zurechtstutzen lassen wollen – künftig mehr dabei unterstützen, diese Waffen wieder scharfzumachen und gegen die Drangsalierung des Menschen in der Warengesellschaft in Stellung zu bringen. Es gilt, für nichts weniger mit zu streiten als für die Erlangung kultureller Hegemonie, ohne die Emanzipation und eine humane Gesellschaft kaum durchzusetzen sein werden.

Für so eine ehrgeizige Agenda bedarf die M&R Strukturveränderungen, der Verlagerung ihrer inhaltlichen Schwerpunkte und einer Erweiterung ihres Horizonts. In »Pro & Contra«- Debatten, ideologiekritischen Essays und Interviews wird M&R Popkultur zukünftig konsequenter als ein Massenphänomen beleuchten und zur Diskussion stellen, das zu den Hauptfeldern der zunehmend erbitterten Auseinandersetzungen zwischen fortschrittlichen und reaktionären Kräften in unserer Gesellschaft gehört.

Aber in der neuen M&R werden nicht an allen Ecken und Enden die Fetzen fliegen. Wir wollen eine vom Vermarktungswahn der Kulturindustrie oftmals an den Rand gedrängte Wahrheit wieder ins Bewusstsein der Hörer rufen: Musik ist in erster Linie ein ästhetisches und zutiefst lustvolles Ereignis. Grund genug, uns noch mehr auf die Kernkompetenz eines anspruchsvollen Pop-Magazins zu konzentrieren: Die intensive Beschäftigung mit den innovativen Ideen der Künstler, den vielfältigen Formen und Inhalten, Gattungen und Stilen, Songanalysen und Rezensionen populärer Musik – nicht nur aus der westlichen Hemisphäre.

Bekanntlich kann man sich zugleich ändern und treu bleiben: Die Berichterstattung über Neuigkeiten, Trends und Traditionen der Popkultur innerhalb der Grenzen der Republik wollen wir zukünftig mit genauso viel Herzblut betreiben wie eh und je (ein Alleinstellungsmerkmal der M&R!). Das gilt vor allem für Ostdeutschland. Aber nicht nur das – wir streben nach einer »Osterweiterung«. Allerdings ganz friedlich und ohne imperiale Interessen. Ganz im Gegenteil: Mit großer Neugier, Sympathie und einer tiefen Verneigung vor dem aufregenden und reichen Musikleben in den Ländern des Balkans, der ehemaligen Sowjetunion und Vorderasiens. In Heft 3/14 geht‘s schon los mit einer bilderreichen Reportage von einem russischen Autor über Straßenmusiker in Jekaterinburg und Irkutsk.

Apropos weite Welt: Unsere neuen Auslandskorrespondenten berichten hautnah aus den Pop-Metropolen von den interessantesten Ereignissen (inklusive Skandalen) der lokalen Musikszenen und liefern exklusive Konzertberichte und Interviews. Die Association of Musical Marxists in London und Will Potter in Washington D.C., den Hauptstädten der Mutterländer der modernen Popmusik, werden in Kolumnen ihre ganz eigene und eigenwillige, nicht selten kritische Sicht auf das Musikbusiness – sowie seine Antithese, die Gegenkultur – in UK und USA zum Besten geben.

Aber das ist noch längst nicht alles, was M&R ab Heft 3/14 zu bieten hat. Wir haben noch einige Überraschungen parat. Neugierig? Gut so! Bleiben Sie‘s und schaun Sie einfach mal rein – in die neue M&R!

Den Artikel lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 2/2014, erhältlich ab dem 28. Februar 2014 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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