Melodie & Rhythmus

Ökomodernismus oder Ökosozialismus?

10.12.2019 14:43
Die vollständig mit Sonnenenergie beheizte Gesamtschule von Wallasey bei Liverpool Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Solar_Campus,_Wallasey_(2).jpg

Die vollständig mit Sonnenenergie beheizte Gesamtschule von Wallasey bei Liverpool
Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Solar_Campus,_Wallasey_(2).jpg

Nachhaltige Architektur außerhalb von Enklaven der Besserverdienenden

Owen Hatherley

Reyner Banhams Buch »The Architecture of the Well-Tempered Environment« (Die Architektur der wohltemperierten Umwelt, 1969) ist eine Studie über Innovationen in der Wasserversorgung, Heizung und Belüftung, die durch neue Gebäudearten überhaupt erst möglich wurden. Am Ende findet sich eine Beschreibung der Gesamtschule von Wallasey – einer Satellitenstadt bei Liverpool, die 1961 nach den Entwürfen von Emslie Morgan, einem Architekten der Kommunalverwaltung, entstanden war. Die bis heute existierende Schule am Stadtrand von Wallasey war das erste größere Gebäude, das vollständig mit Sonnenenergie beheizt wurde – durch eine aufwendig, aber dennoch kostengünstig hergestellte doppelhäutige Fassade; die gesamte Anlage wurde als »Solar Campus« bekannt. Banham hat sich möglichst immer an die Regel gehalten, dass man als Architekturhistoriker niemals über Bauten schreiben sollte, die man nicht selbst gesehen hat, obwohl man sie hätte besuchen können. In diesem Sinn sollte sich jeder, der sich für Ökoarchitektur interessiert, auf den Weg machen und sich dieses avantgardistische Beispiel für CO2-freies Bauen anschauen: ein Bauwerk, das künftige Generationen vielleicht als genauso bedeutsam erachten werden, wie wir heutzutage die ersten Wolkenkratzer und Bahnhöfe bewundern. Wer dort hinfährt, begibt sich in ein Umfeld, das sich von den üblichen Standorten ökologisch ausgelegter Architektur unterscheidet.

Ökobauten sind ja oft – und vor allem im angloamerikanischen Raum – Prestigeprojekte, doch ihre moderat neoliberalen Varianten im Nordwesten Europas sind auch nicht viel besser. …

Übersetzung: Thomas Salter / Tibor Vogelsang

Der komplette Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 1/2020, erhältlich ab dem 13. Dezember 2019 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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