Melodie & Rhythmus

Tanz den Mussolini?

26.12.2016 14:07
Foto: Srdjan Zivulovic / Reuters

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Faschistische Ästhetik als Kritik rechter Ideologie oder Reklame für den autoritären Staat?

Monumentalbauten, Lichtdome, Fackelschein und Marschrhythmen: Obwohl es sich um die Ästhetisierung einer Politik handelt, die Millionen von Menschen das Leben gekostet hat, bedienen sich viele Musik- und Kunstschaffende bis heute auf unterschiedliche Weise der kultischen Formensprache des Faschismus. Dazu gehört das slowenische Industrial-Kollektiv Laibach, das in seiner »Kunst-Doktrin« feststellt: »Alle Kunst unterliegt der politischen Manipulation, mit Ausnahme einer Kunst, die mit der Sprache dieser Manipulation spricht.« Ebenso die Neue-Deutsche-Härte-Band Rammstein, die vor allem auf Affekte zielt und Material aus Leni Riefenstahls Propagandafilm »Olympia« verwendet hat, und die Neofolk-Band Blood Axis, die die esoterischen Elemente der NS-Ideologie aufgreift. Wird dem faschistischen Terror durch das Spiel mit seinen Insignien (unfreiwillig) eine Bühne geboten oder im Gegenteil ein erhellendes Moment geschaffen, das die totalitären Züge unserer kapitalistischen Gesellschaft entlarvt, die sich in Krisenzeiten immer wieder zur brutalsten Form bürgerlicher Herrschaft radikalisiert? Wir lassen folgende These diskutieren:

Faschistische Ästhetik kann (objektiv) als Werkzeug der Aufklärung dienen.

PRO
Konstruktive Konfrontation

Zunächst heißt es zu unterscheiden zwischen einem grundsätzlichen »faschistischen Stil«, der auf Militarismus, sportiver Körperästhetik, Monumentalarchitektur, Marschrhythmen und granitener Kälte aufbaut, und jenem »Nazi-Chic«, der direkt an die Ästhetik und Symbolwelt des »Nationalsozialismus« anknüpft. In der Popkultur hat man es meist mit einem diffuseren faschistischen Stil zu tun, den etwa Bands wie Laibach, Marilyn Manson, Nachtmahr – oder wesentlich marginaler Triarii und Dernière Volonté – pflegen. …

stigleggerMarcus Stiglegger lehrt als Film- und Kulturwissenschaftler an der Dekra Hochschule für Medien in Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen u.a. Medialisierungen des Holocaust. Er gründete das Kulturmagazin :Ikonen: und ist Herausgeber mehrerer Buchreihen. Foto: Promo

CONTRA
Spiel mit dem Feuer

Selbstverständlich kann auch die Wirkung faschistischer Ästhetik in Bildungskontexten analysiert und dekonstruiert werden, wenn sich Menschen zusammenfinden, die an einer entsprechenden Auseinandersetzung interessiert sind. Problematisch jedoch ist die Verwendung dieser Ästhetik im Bereich der Popkultur. Gemeint ist hier nicht ein ironisches Zitat oder eine gebrochene Inszenierung, sondern die umfassende Präsentation in einem scheinbar widerspruchslosen Kontext. …

raabeJan Raabe ist Herausgeber des Sammelbandes »RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien« und als Referent für den Verein Argumente & Kultur gegen Rechts in der Bildungsarbeit tätig. Forschungsschwerpunkte bilden u.a. die Bereiche der extrem rechten Jugendkulturen. Foto: Reuters

Die komplette Debatte lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 1/2017, erhältlich ab dem 30. Dezember 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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