Melodie & Rhythmus

Im Herzen Hannoveraner

28.12.2015 14:49
Foto: Julia Hönemann

Foto: Julia Hönemann

Foxos riskieren die ganz große Leinwand mit internationalem Sound

Christoph Schrag

Über Hannover hört man ja selten wirklich Schmeichelhaftes. Auch was Popmusik angeht, hat die Stadt bislang noch nicht viel hervorgebracht. Na gut, die Scorpions, Mousse T. – das sind schon Hit-Exporte gewesen, aber die B-Note ist bei beiden unterirdisch. Und darum geht’s schließlich im Pop. Da ist es durchaus erfrischend, von zwei jungen und vielversprechenden Popmusikern folgenden Satz zu hören: »Im Herzen sind wir Hannoveraner.« Ganz im Ernst. Es war ihnen wichtig, das zu sagen. Sie sind da aufgewachsen und mögen die Stadt. Und dass sie jetzt nach Hamburg gezogen sind, hat wirklich nichts mit Hannover zu tun.

Rick Jurthe und sein Bandkollege Jonas Fritsch kennen sich von der Musikhochschule der niedersächsischen Hauptstadt. Beide wollten schon immer Musiker werden; beide spielen sie Klavier, seit sie sechs Jahre alt sind. Rick kam noch in den Genuss der alten russischen Schule, wie er sagt. Seine private Klavierlehrerin aus St. Petersburg hat eisern Patschehändchen verteilt, wenn was daneben ging. Hat sie wohl gut gemacht: Im Alter von 16 Jahren hat sich Rick zwar doch gegen Rachmaninow und für die Charts entschieden, aber heute ist er Songwriter und Produzent und in Kürze auch noch Absolvent der Uni Hannover. Jonas dagegen ist bereits durch. Er war etwas früher dran und daher im Uni-Umfeld auch schon auf der Bühne zu sehen, als Rick nach Leuten suchte, um seine Songs umzusetzen. In Jonas fand er einen Mitmusiker, der heute integraler Bestandteil des Projekts ist, das aus diesem Treffen hervorging: Foxos.

Der Sound, den Foxos bauen, klingt wenig nach seiner Herkunft, und damit ist nicht Hannover, sondern das ganze Land gemeint. Er klingt eher nach etwas, das sonst importiert werden muss: Klar arrangierte, orchestrale Elektronik, mit der Rohheit echter Instrumente angereichert. Dazu die soulige und kräftige Stimme – und all das zusammen riskiert die ganz große Leinwand. Irgendwie logisch, dass sich das schon ein Label unter den Nagel gerissen hat, als die Jungs gerade mal ihre zweite EP draußen hatten.

Ebenfalls logisch ist, dass diese Musik sich prima als Soundtrack eignet. Dass aber gerade eine Veranstaltung wie das »Feuerwerk der Turnkunst« auf Foxos zukam, kann man sich wohl kaum selbst ausdenken. Für die Show-Tournee des Artisten- Spektakels in diesem Januar haben Foxos die Musik beigesteuert. Sie hatten sich komplette künstlerische Freiheit erbeten und diese auch ausleben können. Weil sie selbst so zufrieden waren mit dem Ergebnis, haben sie einige Songs daraus im Dezember kurzerhand als EP rausgebracht. Auch wenn Foxos jetzt in Hamburg wohnen und arbeiten: Spätestens mit der Turner- Tour darf Hannover die Daumen drücken, dass durch den Pop-Output Foxos endlich auch die eigene B-Note steigt.

Foxos Polar
Roof Music
www.foxosmusic.com

Der Beitrag erscheint in der Melodie und Rhythmus 1/2016, erhältlich ab dem 30. Dezember 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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