Melodie & Rhythmus

Editorial: Abgetaucht und aufgetaucht

02.01.2013 14:06

Zucchero

Also in 2013 angekommen. Niemand weiß, was sein wird in diesen anhaltend unsicheren Krisenzeiten. Wie schon 2012. Weiter die ewig zelebrierte Zitterpartie um Euro, Armut, Arbeit, Krieg und Frieden. Derweil wir uns anhören, wie dazu die Musik spielt (Seiten 6-98). Zum Beispiel die zweier Hamburger Urgesteine: Tocotronic (Seite 18/19) und Selig (Seiten 10-14). Legenden aus der Hafenstadt.

Beide vor etwa zwanzig Jahren gegründet, beide mit wechselhafter Geschichte und nun mit neuen Scheiben. Tocotronic probierten nach ausgiebiger, eineinhalb-jähriger Pause museumsreife Produktionsinstrumente aus, Selig zog es in ein mittelenglisches Kaff, in das sie als Produzent der namhafte Steve Powers begleitete. »Magma«, das Ergebnis ihrer Arbeit in der öden Abgeschiedenheit, sei Rock- und Popalbum in einem, meinte Powers und zog einen Vergleich zu U2s »Zooropa«.

Dann hörten wir, dass Zucchero (Foto oben), die alte italienische Blues-Pop-Röhre, doch tatsächlich auf Kuba verschollen sei. Die Platte »La Sesión Cubana«, mit einer Musiker-Crème-de-la-Crème aus Havanna, hatte er längst eingespielt – und blieb dann auf der Insel. Doch irgendwann tauchte er wieder auf, gab noch vor Weihnachten ein umjubeltes Konzert vor 20.000 Menschen in der kubanischen Hauptstadt, ließ sich Zigarre rauchend und Cuba Libre trinkend ablichten (Seite 65).

Während sich die übrigen Medien langsam für die Berlinale warmlaufen, präsentiert Melodie&Rhythmus sein umfangreich alternatives Musik-Film-Programm (Seiten 37-58). Autorinnen und Autoren von einigem Ruf baten wir, im Kino doch mal ihre Ohren zu spitzen, den Blick zu tunneln und sich die – manchmal so aufdringlich-nervende, weil dauerberieselnd-belanglose – Verbindung von Bildern und Klängen zu Gemüt zu führen. Heraus kamen – wie wir meinen – kluge Impressionen zu einigen Werken der Filmgeschichte, Streifen, die ohne die eingesetzte Musik nicht denkbar wären. Und Dietmar Dath fordert: »Sing mir ein gut geschriebenes Bild!«

Einiges Aufsehen hatte der Schwerpunkt unserer letzten Nummer (M&R, 6/2012) erregt. Die Leserbriefe dazu brachten wir nicht alle unter (S.98), die bewertenden Artikel in taz (12.12.2012) und junge Welt (20.11.) haben uns gefreut, würdigten sie doch auch unser 55-jähriges Blattjubiläum. JW kommentierte, wir kämen grundsätzlich »etwas steif« daher, »wie viele Menschen, bevor sie die Tanzfläche betreten«. Und bemerkte weise: »Es kommt aber darauf an, wie man sich bewegt und weniger darauf, daran zu denken, was die anderen denken könnten.« Die Autorin der taz verlieh uns gar den ehrenwerten Titel »Zentralorgan des ostdeutschen Pop«. Aufgrund unserer Beharrlichkeit hätten wir »einen kleinen Knicks« verdient. Allerdings könne sie sich »des Eindrucks einer regressiv-lobpreisenden Tendenz irgendwie nicht erwehren« – was immer das heißen mag.

»Zentralorgan des ostdeutschen Pop«? Tatsächlich versuchen wir, auch über das zu berichten, was andere links liegen lassen. Rock`n`Roll bedeutet schließlich – Ost hin, West her – trotz Kommerz und alledem immer: Querdenken und fühlen. Oft wider den Zeitgeist. So soll es sein – auch in 2013.

Herzlichst,
Ihre M&R-Redaktion

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