Melodie & Rhythmus

Am Ende des American Dream

02.01.2013 14:37


Easy Rider

»Der Geliebte einer Hure on the road«: Wer den Soundtrack von »Easy Rider« hört, denkt Bilder. Wer die Bilder sieht, denkt Musik
Text: Gerd Schumann, Fotos: dpa

In den verkrusteten Tagen des Heimatfilms, als der gute Onkel aus Amerika zu Besuch am Rhein Dollarscheine verteilte – für einen Greenbuck gab‘s vier Deutschmark! –, da sorgte hinterm Großen Teich »Der Wilde« Marlon Brando mit seinen Lederklamotten inklusive Schirmmütze für Verwirrung, als er ins verschlafene Midwest-Kaff einritt. Und während Bill Haleys »Rock Around The Clock« drüben das Kinopublikum (»Saat der Gewalt«) erschütterte, sang Willy Schneider hüben »Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein«. So die kulturpolitische Lage diesseits des Eisernen Vorhangs Mitte der Fünfziger, als es noch hieß, das Land der unbegrenzten Freiheiten sei dem Rest der freien Welt immer um vier oder fünf Jahre voraus. Cineastisch betrachtet war es ungefähr ein Jahrzehnt.

»Easy Rider«, so werde in den Südstaaten der Geliebte einer Hure genannt, erläutert Peter Fonda den Titel jenes Streifens, der ihn berühmt machen würde, Ende der Sechziger. »Kein gewöhnlicher Zuhälter, sondern ein Kerl, der mit der Prostituierten lebt.« Eben der hätte es verdammt einfach, also »easy«. »Schön, und das passiert mit Amerika«, so Fonda weiter. »Die Freiheit ist zur Hure geworden und wir versuchen‘s alle mit dem easy ride«. Er selbst repräsentiere in seiner Rolle »jeden, der fühlt, dass man Freiheit kaufen kann, dass man Freiheit durch andere Dinge wie Motorradfahren oder Grasrauchen finden kann«. Freiheit als Konsumgut ausschließlich für denjenigen, der den Greenbuck oder »das Markstück« (Kittner) besitzt.

Easy Rider (USA 1969), 95 Minuten, Regie: Dennis Hopper; Drehbuch: Dennis Hopper, Peter Fonda; Musik: Steppenwolf, The Byrds, The Jimi Hendrix Experience u.a., Darsteller: Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Karen Black, Phil Spector

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 1/2013, erhältlich ab dem 4. Januar 2013 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Gerd Schumann, gelernter Redakteur, lebt als Autor und Journalist in Berlin. Reportagen, Features für Hörfunk (ARD) und Printmedien. Langjähriger Leiter des Auslandsressorts von junge Welt. Buchveröffentlichungen u.a. Baskenland (mit Florence Hervé), Mehdi Zana: Hölle Nr. 5 (Hrsg).

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