Melodie & Rhythmus

Aktuelle Ausgabe


Ab dem 29. Dezember am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel und im Abo.

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Inhaltsverzeichnis Ausgabe durchblättern Bestellen E-Paper

EDITORIAL

Radikaler Humanismus

Ho Chi Minh hat den Kolonialismus als »Kraken« bezeichnet, »der sich mit einem Fangarm am Proletariat des ›Mutterlandes‹ und mit einem anderen am Proletariat der Kolonien festgesaugt« habe. Hacke man nur einen der Arme ab, so werde der andere »nach wie vor das Blut des Proletariats saugen« und der abgehackte Arm wieder nachwachsen. Genau das ist in Afrika geschehen. weiterlesen

MAGAZIN

Im Herzen Asche
Das Leben des Liedermachers Gerhard Gundermann wird verfilmt

Als Gerhard Gundermann in der DDR der 80er-Jahre erste Soloerfolge als Liedermacher feierte, fühlte er sich seinem Arbeitsleben im Braunkohletagebau in der Lausitz weiter verbunden: »Ich war’n Bergmann/ Weiter hab’ ich nüscht gelernt/ Ich hab’ dieses Land in jedem Winter treu gewärmt/ Die Lunge ist wie’n Sack mit Kohlebrocken voll/ Im Herzen Asche, in den Adern Alkohol«, singt seine helle, tremolierende Stimme in »Brigitta«. weiterlesen

»Dies Lied will keine Herren«
Daniel Viglietti, 24. Juli 1939 – 30. Oktober 2017.Ein Nachruf von Rolf Becker

Daniel ließ Schmerzen zu Liedern werden, Schmerzen der Menschen in den Ländern Lateinamerikas, erlitten von Generationen seit dem Einfall der Europäer, offene Wun- den eines Erdteils. »Unbegreiflich«, so Fidel Castro 1953 in seiner unvergessenen Verteidigungsrede vor Gericht, »dass heute die meisten Familien dieses Kontinents unter schlechteren Bedingungen leben als die Indios, die Kolumbus traf, als er das schönste Land entdeckte, das Menschenaugen je gesehen haben.« weiterlesen

KUNST & KÜNSTLER

»Der Junge ist einfach so aktuell«
Katharina Thalbach hat Gedichte von Brecht aufgenommen

Sie ist eine deutsche Schauspielikone, vor der Kamera ebenso zu Hause wie auf der Bühne. Die Auseinandersetzung mit Brecht zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Karriere. Nun hat sie Werke von dem Dramatiker und Dichter neu eingelesen. Im Interview erklärt sie, warum er brandaktuell ist. weiterlesen

WaderMach’s gut, Liedermacher!
Hannes Wader nimmt Abschied vom Tourleben. Anmerkungen zu den Schwierigkeiten, als Künstler die sich wandelnden Zeiten zu überleben

Als in Husums Kongresshalle die Lichter ausgehen, wird draußen in nasskalter Nordseeluft so etwas wie Endgültigkeit spürbar. Hannes Wader, Jahrgang 42, hat – anders als Bob Dylan, Jahrgang 41 – seine »Never Ending Tour« beendet. weiterlesen
Foto: Karl Anton Königs

Kein Ersatz, sondern eine Geste
Morehshin Allahyari reproduziert vom IS zerstörte Kunstschätze in 3-D

Die in den USA lebende Iranerin Morehshin Allahyari geht in ihren Werken den poetischen Ausdrucksmöglichkeiten neuer Technologien auf den Grund. In Berlin ist derzeit ihre aus 3-D-Drucken bestehende Werkserie »Material Speculation: ISIS« zu sehen – eine künstlerische Reaktion auf die Zerstörung der Sammlung des Archäologischen Museums in Mossul. Dabei fielen den Kriegern des Daesch im Februar 2015 u. a. zwei weltberühmte, jahrtausendealte Lamassu-Türhüterfiguren zum Opfer. M&R sprach mit Allahyari über die Hintergründe ihrer Arbeit. weiterlesen

Titelthema Afrika

Die Bedürfnisse
Der Massen immer mehr Afrikaner stellen die Logik des Kapitalismus wieder Infrage

Auf seinem Weg nach Abidjan, wo er Ende November am 5. Gipfeltreffen von Afrikanischer und Europäischer Union teilnahm, legte Emmanuel Macron einen Zwischenstopp in Burkina Faso ein. Dort dozierte er über die Notwendigkeit, die neokoloniale Afrika-Politik Frankreichs durch eine neue Politik der Gleichheit zu ersetzen. weiterlesen

Die Kunst einer vergangenen Idylle
Wie Kulturschaffende den Ökozid im Nigerdelta verarbeiten

In der Zeit vor 1960, also noch vor der Unabhängigkeit Nigerias, priesen die Künstler die Stärke, die der afrikanische Charakter vor der Konfrontation mit den europäischen Eroberern gehabt habe. Unter den britischen Kolonialherren und in der unmittelbaren nachkolonialen Periode verfolgten u.a. die Schriftsteller Chinua Achebe and Wole Soyinka diesen Ansatz. weiterlesen

redirectingatLärmende Stille im Herzen der Finsternis
In Kongo singen, tanzen, filmen Künstler gegen das Schweigen über Massenmord, Vertreibung und die Komplizenschaft des Westens

Es ist wahrlich kein Geheimnis, dass in der Demokratischen Republik Kongo Krieg herrscht. Aber dass dieser Krieg einen Soundtrack hat, weiß kaum jemand. Die Ahnungslosigkeit ist nicht beabsichtigt, im Gegenteil: Musiker und Künstler geben sich große Mühe, ihren Stimmen Gehör zu verschaffen. weiterlesen
Foto: YOLE!Africa

Zerbrechen und einsinken
Wie südafrikanische Musikstile zum Zuhören animieren – und so Zusammenhalt stiften

Können wir zusammenleben? Kaum eine Frage ist heute dringlicher – nicht nur für Südafrikaner. Laut der Philosophin Judith Butler ist es dafür nötig, dass wir uns von den anderen »öffnen« lassen. Nur so wird entstehen, was sie ein »Wir« nennt. Wenn ich meine Bindungen im »Du« finde, das »Dich« erfahre, dann muss – in dem denkwürdigen Bild, das sie verwendet – meine eigene Sprache »zerbrechen und einsinken«. weiterlesen

Ein afrikanisches »Kapital« der Gegenwart
Die Thesen des senegalesischen Historikers Cheikh Anta Diop werden in Europa kaum beachtet – in Afrika hingegen umso mehr

Die Bewohner des altägyptischen Reiches nannten ihr Land »Kemtiyu« – »Land der Schwarzen«. Ein Indiz für den – angeblich im Dunkeln liegenden – tatsächlichen Ursprung einer der ersten großen »Zivilisationen«? Der senegalesische Historiker, Chemiker, Physiker, Anthropologe, Ägyptologe und Politiker Cheikh Anta Diop (1923–1986) war der Überzeugung, dass die altägyptische Kultur schwarzafrikanische Wurzeln hatte. weiterlesen

Werke

Die hässliche Fratze des Kapitalismus
Steffen Diemer dokumentiert die Lebensverhältnisse in städtischen Notunterkünften – am Beispiel der Bayreuther Straße in Ludwigshafen

Als gefragter Fotograf für die großen Medien bereist Steffen Diemer von Mannheim aus die Krisengebiete dieser Welt und liefert aus einem differenzierenden Blickwinkel beeindruckende Bilder von vier Kontinenten, jenseits der allgegenwärtigen Bilderflut. Seine Arbeit umfasst Konflikte, verschwindende Kulturen, alte Traditionen, Industriefotografie – und marginalisierte soziale Gruppen. Ein Langzeitprojekt, das dem 50-Jährigen besonders am Herzen liegt, ist eine Fotodokumentation über die Bayreuther Straße in Ludwigshafen. weiterlesen

Kritik & Reflexion

Wie eine Art Trance
Emmanuel Gras folgt dem harten Leben eines afrikanischen Kohlearbeiters

Der Dokumentarfilm »Makala« von Emmanuel Gras gewährt intensive Einblicke in das Leben eines Köhlers in der Demokratischen Republik Kongo. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2017 gewann er den ersten Preis der »Semaine de la critique« (Woche der Kritik). M&R sprach mit dem Regisseur über die Entstehung und Ästhetik des Films. weiterlesen

Frau Kunstmensch lehrt uns Eigensinn
Der Schriftsteller Dietmar Dath über die japanische Manga-Serie »Dimension W«

Die junge Frau hat grüne Haare, einen Elektrokabelschweif und Breitbandantennen, von denen sie behauptet, es handle sich um Haarnadeln, wenn Leute, denen sie sich nicht als künstlicher Mensch zu erkennen geben will, sie danach fragen. Mira verrät nicht allen alles. Ihr Äußeres verbirgt ein reiches Innenleben und hohe Selbstachtung. weiterlesen

Politische Kultur & Zeitgeist

RTS1E26F»Nicht entschuldigen – angreifen!«
Labour-Linke müssen sich gegen falsche Antisemitismusvorwürfe wehren

Der in London lebende Mitbegründer der israelischen sozialistischen Organisation Matzpen Moshé Machover wurde zur Zielscheibe einer Verleumdungskampagne des rechten Flügels der Labour-Partei. Dagegen ist er mit großer Unterstützung solidarischer Linker erfolgreich vorgegangen. M&R bat ihn um einen Gastbeitrag. weiterlesen
Foto: Reuters / Toby Meville

Attacken auf die linksliberale Komfortzone
Graffiti-Künstler Sozi36 sprüht gegen den Ausverkauf Kreuzbergs, Gute-Laune-Street-Art und neoliberale Popkultur

Die Graffiti- und Street-Art-Szene macht eher selten durch radikale Kritik von sich reden. Klar, gegen Rassismus und Nazis sind irgendwie fast alle. Aber Sozi36 aus Berlin meint, es darf ruhig ein wenig mehr sein – und hat auch den linksliberalen Wellness-Oasen den Kampf angesagt. Seit den 90er-Jahren aktiv, hat sich der Sprüher von den Vorstädten Pretorias bis hin zu einem deutschen Gerichtssaal schon überall verewigt. Mit M&R sprach er über seine Arbeit, seinen Stadtteil und »Linke« aufseiten der Bourgeoisie. weiterlesen

Standpunkte

Intervention ins herrschende Produktionssystem
Kolumne von Ibrahim Mahama

Während die Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts neue Formen und Bedeutungen annahm, wurde in den afrikanischen Kolonien weiterhin an einer Infrastruktur für die Ausbeutung von Rohstoffen und Ressourcen gefeilt. Heute, ein Jahrhundert später, nach unzähligen Kämpfen für Gleichstellung, Unabhängigkeit und Freiheit, greifen neokoloniale Strömungen um sich. weiterlesen

Revolution! Gern, aber welche und wie?
Über Kunst im Zeitalter der Pest und der Cholera

Ausnahmsweise einmal ein »Kritisches Terzett«: In der letzten Ausgabe von M&R hatten Boris Kagarlitzki und Kai Ehlers die gegenwärtigen politischen Möglichkeiten eines ins Reich der Freiheit führenden Umwälzungsprozesses diskutiert. Nun ergänzt der Wissenschaftler mit Schwerpunkt Musik Hanns-Werner Heister noch einige – für ein Gegenkultur-Magazin überaus bedeutsame – Überlegungen aus der Kunst-Perspektive mit besonderem Fokus auf Afrika und andere »Peripherie«. weiterlesen

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Hommage an Daniel Viglietti

Aktuelles

Auf Eis gelegt


Die Produktion von Melodie & Rhythmus, Magazin für Gegenkultur, wird vorerst eingestellt. Einnahmen reichen nicht, um hohe inhaltliche Ansprüche auf Dauer zu finanzieren.

Zur Ästhetik der Großen Weigerung


Warum eine Gegenkultur auf historisch-materialistischer Basis alternativlos ist

Pressemitteilung:
Zeitschrift Melodie & Rhythmus vor dem Aus?, 05.01.2018
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M&R Aktuell

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Deutsche Abgründe


Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner Stadt. Zu den unerwünschten Personen gehört der israelische Historiker und Sohn von Holocaust-Überlebenden Moshe Zuckermann, der in Frankfurt aufgewachsen ist. M&R bat ihn um eine Replik.

»Entscheidend ist, welche Haltung wir einnehmen«


Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus
Aus: junge Welt vom 25.03.2017, Wochenendbeilage

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M&R im Interview

Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Kritischer Musikjournalismus in ideologisch angespannter Zeit.

Interview lesen
 
Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Über die neu ­gestaltete Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus, Walter Ulbricht und Iron Maiden, Rock’n’Roll und Krieg, marxistische Ästhetik und Neoliberalismus, Straßen-Rap und Adorno.

Interview lesen
 
"Wir frönen nicht irgendeiner Nostalgie"
Ein politisches Musikmagazin mit DDR-Wurzeln erfindet sich neu: Melodie & Rhythmus (M&R) hat seinen Look und seine Inhalte überarbeitet. medienmilch.de sprach mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl über die Details: Interview lesen
 
• Wie sich Musik und Politik vereinbaren lassen, behandelt das Magazin “Melodie & Rhythmus” in seiner aktuellen Ausgabe. Radio F.R.E.I. hat mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl gesprochen.
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